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(Heft 2/2017)
Talentscouts kümmern sich im Jobcenter Köln um die Förderung jugendlicher Geflüchteter

Hürdenhelfer im System Deutschland

Die Orientierung auf dem Weg in Ausbildung und Arbeit fällt geflüchteten Menschen oft schwer. Das Jobcenter Köln setzt seit Ende 2015 Talentscouts ein, die die Kundengruppe U25 genau in dieser Orientierungsphase intensiv begleiten. Zu ihren Kunden gehören hochmotivierte junge Geflüchtete mit guten Arbeitsmarktchancen, die nur wenige Hilfestellungen benötigen, auf der anderen Seite aber auch Jugendliche, die über weniger Ressourcen verfügen und die eine Extra-Ansprache brauchen, um nicht für den Arbeitsmarkt verloren zu gehen.

Momentan betreut der Geschäftsbereich U25 in Köln ca. 500 junge Erwachsene im Alter von 18 bis 24 Jahren (zuzüglich ca. 550 im Integration Point), die aus dem Asylbewerberleistungsgesetz in den Leis­tungsbezug nach dem Sozialgesetzbuch II übergegangen und somit anderen Leis­tungsbeziehern gleichgestellt sind. Die Hürden auf dem Weg in Arbeit und Ausbildung sind für sie zahlreich: Sie haben mit Sprachproblemen zu kämpfen, die Orientierung im „System Deutschland“, egal ob Ausbildungs- und Schulsystem oder Arbeitswelt, ist schwierig, der Umgang mit dem Jobcenter und anderen Institutionen muss erst gelernt werden.

Im Konzept des Jobcenters Köln heißt es, der Talentscout soll „die Fähigkeiten und Potenziale dieser Jugendlichen erkennen, fördern und sichtbar machen.“ Zum Ende seiner Arbeit soll der Geflüchtete „sich so sicher im System Deutschland orientiert haben, dass er relevante Entscheidungen eigenständig treffen kann und sich seiner eigenen Fähigkeiten, Kompetenzen und Möglichkeiten bewusst ist.“

Marcel Lehmann ist seit Ende 2015 einer der zwei Talentscouts im U25-Bereich des Kölner Jobcenters. Er bezeichnet sich selbst als „Hürdenhelfer“. „Es geht zum einen darum, die Menschen mit ihren unterschiedlichen Erwerbsbiografien in die Nähe einer Beschäftigung oder Ausbildung zu führen, ein großer Teil unserer Arbeit besteht aber auch in Netzwerk-Arbeit und darin, gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen“, erklärt er. Talentscout-Kollege Sebastian Kusserow macht deutlich, dass bei den jugendlichen Geflüchteten oft eine Kombination von Hindernissen vorhanden ist, die eine intensive Betreuung erfordert. „Mindestens alle drei Wochen laden wir die Jugendlichen zu einem Beratungsgespräch ein.“

Außerdem kümmern sich die Talentscouts um die Themen Potentialanalyse, Profiling, Unterstützung bei der Beantragung weitergehender Leistungen anderer Rechtskreise wie BAföG oder Berufsausbildungsbeihilfe und Beratung über die Anerkennung von im Ausland erworbenen Schul- und Berufsabschlüssen. Aufsuchende Arbeit spielt ebenso eine wichtige Rolle wie die Betreuung von Arbeitgeberanfragen. Dazu kommen Fallkonferenzen, zum Beispiel wenn ein Jugendlicher an einer Maßnahme bei einem Träger teilnimmt und es in diesem Zusammenhang Klärungsbedarf gibt. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn es um die Aufnahme einer Ausbildung geht. Teilnehmer der Fallkonferenz sind dann der Talentscout, der Jugendliche und ein Vertreter des Trägers oder auch des zukünftigen Arbeitgebers. Der überwiegende Teil der Beratung durch die Talentscouts findet bisher als Einzelberatung statt, geplant ist aber auch die Organisation von Gruppenveranstaltungen für die Geflüchteten zu Fragestellungen, die immer wieder auftauchen. Darüber hinaus sollen die Talentscouts das Talentscout-Konzept fortlaufend weiterentwickeln und auch den Integrationsfachkräften für Beratung und Information zur Verfügung stehen.

Unterstützungsbedarf höchst unterschiedlich
 

Wie kommen die Jugendlichen zu den Talentscouts? Die Integrationsfachkräfte des Jobcenters können ihnen die Betreuung durch einen Talentscout vorschlagen. Stimmt der Geflüchtete zu, übernimmt dieser dann zusätzlich die Aufgaben der Integrationsfachkraft.

Unter der Voraussetzung, dass jugendliche Geflüchtete SGB II-Leistungen beziehen, sind zu diesem Zeitpunkt grundsätzliche Dinge wie der Aufenthaltsstatus des Geflüchteten, der dann in der Regel in den letzten drei Jahren nach Deutschland gekommen ist, bereits abgeklärt, eine Aufenthaltserlaubnis gemäß der Paragrafen 22 – 26 des Aufenthaltsgesetzes (Aufenthalt aus völkerrechtlichen, humanitären oder politischen Gründen) erteilt worden. Am sinnvollsten ist der Einstieg des Kunden, wenn der Integrationskurs schon durchlaufen sei oder kurz vor dem Abschluss stehe. „Intensive Betreuung, ohne dass das Sprachniveau B1 in Sichtweite ist, ist nur bedingt möglich und sinnvoll“, sagt Marcel Lehmann.

Die Beratung findet in den Räumlichkeiten, des Jobcenter-Projektes „befit4job“ statt. Die jungen Geflüchteten können die dort vorhandene Infrastruktur nutzen, also PC-Arbeitsplätze, Drucker, Scanner, Internetzugang, Kopierer usw. Die Beratungstermine sind länger (ca. 60 Minuten) und umfangreicher als bei anderen Kundengruppen. Deshalb ist die Zahl der Kunden pro Talentscout in der Regel auf 50 bis 70 begrenzt.

Der individuelle Unterstützungsbedarf ist sehr unterschiedlich. „Der eine kommt relativ schnell in einer neuen Umgebung und mit neuen Strukturen zurecht, und es gibt Menschen, denen fällt das schwerer“, sagt Sebastian Kusserow. „Es ist daher ausdrücklich gewünscht, dass wir bei Bedarf Kunden auch mal zu Terminen bei Beratungsstellen, bei Trägern, bei Arbeitgebern begleiten.“ Schon wegen der fehlenden Ortskenntnis der Flüchtlinge sei das oft der einfachste und effektivste Weg, außerdem fungiere der Talentscout dabei oft als Kommunikationshelfer.

Auch Telefongespräche im Beisein des Kunden, bei denen es um schnelle Problemlösungen geht, sind durch das Mehr an zur Verfügung stehender Zeit möglich. Natürlich könne man dem Jugendlichen nicht alles abnehmen, aber es mache einfach keinen Sinn, ihn mit einem Problem allein zu lassen, das ihn in seiner aktuellen Situation nicht weiterkommen lässt. „Mit einem einfachen Anruf zum Beispiel bei einer städtischen Behörden, bei Versicherungen oder Bildungsträgern kann man oft Sachverhalte klären oder Missverständnisse auflösen und so dafür sorgen, dass Dinge schnell funktionieren“, verdeutlicht Sebastian Kusserow. Oft stehen solche Hürden noch im Zusammenhang mit den nicht ausreichenden Deutschkenntnissen der Jugendlichen. Auch die Aufgaben der Institutionen und Behörden in Deutschland erschließen sich ihnen oft erst nach und nach.

Grundsätzlich stehen neben praktischen Hilfen allerdings Empowerment und Hilfe zur Selbsthilfe im Vordergrund der Talentscout-Arbeit. „Wenn wir einmal den Weg aufgezeigt haben, erwarten wir schon, dass man lernt, wie man selbstständig Probleme lösen kann“, sagt Marcel Lehmann. „Wir sind also nicht die ganze Zeit Problemlöser, sondern machen die Betreffenden mit den Strukturen und Möglichkeiten vertraut und lassen sie dann selber machen.“

Spätestens nach sechs Monaten soll der Jugendliche so weit sein, dass er eine intensive Unterstützung nicht mehr braucht. Auf diesen Zeitraum ist die Betreuung durch die Talentscouts begrenzt. Im Ausnahmefall kann sie um drei Monate verlängert werden. Dabei haben die Talentscouts nicht den Anspruch, jeden Kunden in dieser Zeit in Ausbildung und Arbeit zu bringen. „Wir wollen allerdings die Kunden so aus unserer speziellen Betreuung zurückgeben, dass sie bei den Regelangeboten der Kollegen mitlaufen können“, sagt Sebastian Kusserow. Ziel ist es also, die Zielgruppe für einen gewissen Zeitraum durch Spezialisten besonders zu unterstützen und dadurch auch die Kollegen im Regelbetrieb zu entlasten. Dringende Handlungsbedarfe sollen abgebaut werden, sodass die Geflüchteten auch tatsächlich an den Regelinstrumenten, die den Jobcentern zur Verfügung stehen, teilhaben können.

Wie weit die Arbeit der Talentscouts in den Bereich der „Ermöglichung gesellschaftlicher Teilhabe“ hineinreicht, ist stark kundenabhängig. „Es gibt die, bei denen nur die traditionellen Jobcenter-Themen zu bearbeiten sind, weil sie selbst in der Lage sind, sich einzufügen. Sie suchen sich Kontakte, auch zu Einheimischen, sind Mitglieder in Sportvereinen.“ Auf der anderen Seite gebe es aber auch Fälle, bei denen man von Isolation sprechen könne. In diesen Fällen recherchieren die Talentscouts wenn gewünscht, wo eine Anbindung möglich wäre. Dabei spielen ehrenamtliche Initiativen, oft stadtteilbezogen, eine große Rolle. „Köln ist da mittlerweile sehr gut organisiert und bietet vielfältige Möglichkeiten“, stellt Marcel Lehmann fest.

Als sehr integrativ haben sich Sportprojekte bewährt. So arbeiten die Talentscouts zum Beispiel gut mit der RheinFlanke gGmbH zusammen, einem 2006 in Köln gegründeten Träger für Jugendarbeit und Flüchtlingshilfe, der ein Fußballprojekt für Geflüchtete ins Leben gerufen hat.

Netzwerkarbeit – wichtig und hilfreich
 

Neben Kontakten zu ehrenamtlichen Initiativen haben sich Verbindungen zu Schulen und Schulsozialarbeitern (Internationale Förderklassen), die Zusammenarbeit mit der Berufsberatung/Agentur für Arbeit, zu Initiativen mit dem Thema „Elternarbeit“ [z. B. Stadtteilmütter, Verbund Interkultureller Ausbildungs- und Arbeitsmarktorientierter (VIA) Elternarbeit] und zur Ausbildungsvermittlung der Kammern (z. B. Willkommenslotsen) als sehr hilfreich herausgestellt. Darüber hinaus haben die Talentscouts auch Kontakte zu Arbeitgebern, Trägern und weiteren Partnern aufgebaut.

Von den Kollegen werden sie mittlerweile als Experten wahrgenommen, die ihnen in bestimmten Situationen beratend zur Seite stehen können. „Wir werden oft kontaktiert, helfen gerne weiter und sehen uns mittlerweile auch als Multiplikatoren, die zum Beispiel über neue Angebote informieren“, so Marcel Lehmann.

Solche zielgruppenspezifischen Angebote für Geflüchtete gibt es mittlerweile eine ganze Reihe. Die Talentscouts sind dabei häufig die Ansprechpartner und Maßnahmenbetreuer, kümmern sich zum Teil auch um die Besetzung.

„PerjuF“ heißt eine dieser Maßnahmen: Perspektive für junge Flüchtlinge, „PerjuF-H“ eine weitere. Beide werden von der Agentur für Arbeit bundesweit angeboten. Besonders bei der zweitgenannten Maßnahme übernehmen die Talentscouts wichtige Funktionen. Das Ziel von „PerjuF-H“ ist es, jungen Flüchtlingen in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer eine Orientierung in mindestens drei verschiedenen handwerklichen Berufsfeldern zu ermöglichen. Die Talentscouts sind nicht nur Ansprechpartner der Handwerkskammern, was Jobcenter-Fragen angeht, sie organisieren auch zusammen mit dem Träger die Informationsveranstaltung bei der Handwerkskammer, wenn ein neuer Durchgang der Maßnahme starten soll.

Ein weiteres Programm speziell für Geflüchtete, in das die Talentscouts vermitteln, ist „JOBLINGE Kompass“, das auf eine Kombination aus Sprachkursen, Berufsorientierung, intensiver Vorbereitung und Praxis direkt in Unternehmen und die Begleitung durch einen Mentor als festen Ansprechpartner setzt. Es ist als Social-Franchise-System organisiert und wird vor Ort über gemeinnützige Aktiengesellschaften (gAGs) gesteuert, die gemeinsam mit Partnern aus der Wirtschaft und der öffentlichen Hand gegründet werden.

Damit die Talentscouts die Teilnehmenden passgenau auswählen können, müssen sie zunächst ermitteln, welche Vorkenntnisse die Jugendlichen haben und welche Schulbildung oder auch schon Berufserfahrung vorhanden ist. Die Talentscouts können dabei auf das gleiche Datensystem wie der Integration Point zurückgreifen. „Zunächst stehen andere Dinge für die Flüchtlinge im Vordergrund: Wohnung, Geld, Sprachkurs. Erst danach geht es um die Kompetenzen, Potenziale, Beruf usw.“, sagt Sebastian Kusserow.

Deshalb ist die Erstellung einer Kompetenz­analyse und ihre Verwertung in Richtung einer Berufsperspektive meistens originäres Arbeitsfeld der Talentscouts, zumal die Geflüchteten, nachdem sie sich über den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt in Deutschland informiert haben, ihre ursprünglichen beruflichen Ziele häufig verändern.

Beratungsgespräch als Hauptinstrument
 

Mit einem neuen Kunden findet zunächst ein Erstgespräch statt, das der Bestandsaufnahme dient. Es geht um formale Dinge: Liegen Zeugnisse vor, sind sie schon übersetzt, sind Schritte zur Anerkennung unternommen? Dann werden die Berufserfahrung und der Lebenslauf erfragt. Daraus ergibt sich ein differenzierteres Bild des Menschen, zum Beispiel über das Bildungsniveau, über EDV-Kenntnisse. „Wenn jemand zum Beispiel in Syrien studiert hat, können wir davon ausgehen, dass das Niveau dort sehr gut war und dass es ihm leicht fallen wird, zum Beispiel den Lehrinhalten einer Berufsschule zu folgen“, sagt Marcel Lehmann. Sprachliche Kompetenzen, die Absolvierung von Sprachkursen und der Stand der Auseinandersetzung mit Berufsbildern sind weitere Dinge, die die Talentscouts im Gespräch erfassen.

Das alles ergibt für den Talentscout ein Bild, in welche Richtung es beruflich mit dem Geflüchteten gehen könnte, wie realistisch seine beruflichen Ziele zu bewerten sind, auch wie viel Zeit für den Einstieg in den Arbeitsmarkt einzukalkulieren ist. Zwar werden Kunden, die nur über eine vierjährige Schulbildung verfügen, auch dabei unterstützt, einen Helferjob zu finden, – „grundsätzlich muss man aber immer die Motivation hinterfragen, warum jemand schnell Geld verdienen möchte und sich unter Umständen dabei in unsichere, auch schwierige Arbeitsverhältnisse begibt. Die Familie im Heimatland, an die man Geld schicken muss, ist hier ein häufiger Grund“, weiß Marcel Lehmann. Der Talentscout müsse aber immer Wege aufzeigen, wie der Kunde nachhaltig seinen Lebensunterhalt bestreiten könne, zum Beispiel, indem er einen Schulabschluss nachholt, um danach in eine sichere Arbeit einzumünden. In der Praxis der Talentscouts gibt es sowohl die Fälle, in denen sehr motivierte Kunden den Ratschlägen folgen und froh sind, dass ihnen Wege aufgezeigt werden, als auch die, in denen Menschen mit Vorstellungen kommen, die so nicht umsetzbar sind. Dann geht es darum, mögliche realistische Wege aufzuzeigen und auch transparent zu machen, warum es nur so und nicht anders geht, meint Sebastian Kusserow. Ungefähr 50 Prozent der Betreuten schlagen den Weg Richtung Ausbildung ein und entsprechen damit auch dem vordringlichsten Ziel, das das Projekt verfolgt.

Interkulturelle Kompetenz spielt einerseits eine große Rolle bei der Arbeit der Talentscouts, „andererseits macht man sicher keinen Fehler, wenn man die Zielgruppe zunächst so behandelt wie alle anderen Kunden auch“, sagt Sebastian Kusserow. Man dürfe die Beratung nicht zu sehr in eine Sonderbehandlung vor dem Hintergrund einer vermeintlichen allumfassenden Andersartigkeit der Geflüchteten gleiten lassen. Es gehe für einen Berater in erster Linie darum, mit einer offenen Haltung in das Gespräch zu gehen und zuhören zu können, egal ob es sich um einen Flüchtling oder einen anderen Kunden handele. Interkulturelle Kompetenz sei dann wichtig, wenn es um Dinge gehe, die anders nicht erklärbar seien als durch kulturelle Unterschiede. Diese beiden Linien im Umgang mit dem Kunden zeichneten im Endeffekt eine professionelle Beratung aus.

Mittlerweile hat das Kölner Talentscout-Team auch dank dieser Professionalität einige Erfolge vorzuweisen. Eine Reihe ehemaliger Betreuter befindet sich jetzt in einer Ausbildung oder auf dem direkten Weg dahin – in den meisten Fällen Menschen aus Syrien mit Schulabschluss und einem allgemein hohen Bildungsniveau. Zwei Faktoren haben sich als besonders wichtig herausgestellt: Zum einen die Sprache. Das Sprachniveau B1 halten die Talentscouts für das absolute Minimum für einen Einstieg in die Arbeitswelt. Für eine Ausbildung ist nach ihrer Erfahrung sogar mindestens B2 erforderlich. Zum anderen hat sich die betriebliche Erprobung als Instrument besonders bewährt. Es gelte, die jungen Geflüchteten, egal auf welchem Weg, in die Betriebe zu bringen. Denn sie könnten nicht mit Top-Zeugnissen und schicken Bewerbungsunterlagen glänzen, wohl aber mit einer hohen Motivation und der Lust darauf, etwas erreichen und im Leben weiterkommen zu wollen, sagt Marcel Lehmann. „Wenn sie sie erst einmal kennen lernen, sind es die menschlichen Qualitäten und die Leis­tungsbereitschaft, die viele Arbeitgeber davon überzeugen, diesen Jugendlichen eine Chance als Auszubildende zu geben.“


Erfolgsgeschichte einer von einem Talentscout betreuten Geflüchteten

Herkunft: Iran
Alter: 24
Geschlecht: weiblich
Sozialraum: Chorweiler
Bildungsniveau: Allgemeinbildende Oberstufe im Iran, Sprachniveau B2
Erster Eindruck: Ausbildungswillig, motiviert, kommunikativ, jedoch noch nicht orientiert

Frau A. ist im Jahr 2013 nach Deutschland eingereist. Seit Dezember 2015 lebt sie zusammen mit ihrer Mutter in einer Wohnung in Köln. Frau A. hat im Iran das Gymnasium besucht und dort auch ihr Abitur gemacht. Anschließend hat sie ein Semester lang mit dem Berufsziel Dolmetscherin studiert. Frau A.s Wunsch ist es, in der Verwaltung oder in einem Büro tätig zu werden.
Bei Eintritt in die Betreuung durch den Talentscout hatte Frau A. bereits einen Integrationskurs besucht und ihr B1-Zertifikat erhalten. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Sprachkenntnisse für eine Tätigkeit in der Verwaltung nicht ausreichten.
Frau A.s Abitur wurde in Deutschland als Realschulabschluss anerkannt. Sie besuchte einen sechsmonatigen ESF-BAMF-Sprachkurs und erreichte das B2-Sprachniveau. Mit Unterstützung des Talentscouts erstellte Frau A. einen Lebenslauf und ein Bewerbungsanschreiben. Um ihr Berufserfahrung zu ermöglichen, vermittelte der Talentscout Frau A. ein Praktikum in der Stadtbibliothek Köln. Dabei wurde deutlich, dass die Sprachkenntnisse noch nicht ausreichend waren. Der Talentscout schaltete Chance+ ein, ein überregionales Netzwerk mit sieben Partnerprojekten, das vom Jobcenter Köln koordiniert wird. Das Partnerprojekt INVIA übernahm die Beratung. Frau A. wurde für das Programm „Migrantinnen der Stadt Köln“ vorgeschlagen und konnte in diesem Rahmen ein Praktikum in einem Kundenzentrum der Stadt Köln machen. In das Programm bei der Stadt wurde sie aufgrund weiterhin vorhandener sprachlicher Defizite zwar nicht direkt aufgenommen, sie hatte im Assessment aber trotzdem überzeugt, sodass die Stadt Köln anbot, Frau A. unter der Voraussetzung weiterer begleitender Sprachförderung doch in das Projekt aufzunehmen. Ein Sprachkurs konnte nach intensiver Abstimmung zwischen Frau A., dem Talentscout, der Stadt Köln und dem Sprachkursträger über das Jobcenter gefunden, finanziert und mit den Arbeitszeiten koordiniert werden. Die intensive Betreuung war von Erfolg gekrönt, denn es folgte eine Einstellungszusage.
Frau A. nimmt vom 01.01.2017 bis Ende August 2017 an einem Langzeitpraktikum teil. Ab September 2017 steht ihr der Weg offen, eine Ausbildung bei der Stadt Köln zu beginnen. Der Wunschberuf ist damit in greifbare Nähe gerückt.

Ansprechpartner in der G.I.B.

Dr. Frank Nitzsche
Tel.: 02041 767157
f.nitzsche@gib.nrw.de

Kontakt

Jobcenter Köln
Marcel Lehmann/Sebastian Kusserow
Talentscout, Bereich U25, Team 774
in Wiener Platz 3
51065 Köln
Tel.: 0221 94298275
Jobcenter-Koeln.U25-Talentscouts@jobcenter-ge.de

Autor

Frank Stefan Krupop
Tel.: 02306 741093
frank_krupop@web.de
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