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(Heft 2/2017)
Psychisches Wohlbefinden und Resilienz als Voraussetzung zur Verbesserung von Integrationsprozessen

Von der inneren zur äußeren Integration

Dr. Sari Scheinberg ist seit mehr als 30 Jahren Geschäftsführerin der Consulting Firma Recomate AB und arbeitet als Forscherin und Lektorin am Institute for Management (IMIT) in Göteborg, Schweden. Sie hat umfangreiche Erfahrungen in der Konzipierung und Implementierung von Unterstützungsmaßnahmen zur Integration von Migranten und Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt. In diesem Bereich hat sie ein innovatives Modell mit dem Titel „Energetic Well-Being: Von der inneren zur äußeren Integration“ entwickelt und erfolgreich in der Praxis angewendet, um die effektive Integration dieser Zielgruppen in den Arbeitsmarkt und in die Gesellschaft zu fördern.

Dr. Scheinberg hat in mehr als 50 Ländern weltweit Projekte konzipiert und betreut, die nachhaltige Verbesserungen in Organisationen und in der Gesellschaft erzielen, da sie alle relevanten Stakeholder in Lernallianzen zusammenführen, und so den Dialog der Beteiligten fördern. Ihr Modell „Mobilizing stakeholders for sustainable development“ hat sie beispielsweise in Ländern wie Russland, Brasilien, Indien, Südafrika, China, Jamaika und Trinidad mit Erfolg eingesetzt. Sie promovierte in Human and Organisation Systems Development an der Fielding Graduate University in Santa Barbara und wurde als Psychologin vom Gestalt Institute of Cleveland zertifiziert. Dr. Scheinberg arbeitet seit 1992 als Leiterin, Lektorin und Supervisorin an der Gestalt Academy of Scandinavia sowohl im Bereich der Therapie als auch in der Organisation der Master-Studiengänge.

G.I.B.: Sie sind selbst von den USA nach Schweden immigriert: Welche Herausforderungen mussten Sie meistern, um in Schweden eine neue Heimat zu finden? Welche Unterstützung hatten Sie in Ihrem Integrationsprozess?

Dr. Sari Scheinberg: 1986 traf ich meinen jetzigen Ehemann auf einer internationalen Forschungskonferenz. Wir arbeiteten damals an einem gemeinsamen Forschungsprojekt, das sich mit der Förderung des Unternehmertums und Innovationskapazitäten befasste. Wir verliebten uns und ich beschloss, die USA zu verlassen und zog 1990 nach Schweden. Mein Ehemann half mir sehr ein neues Zuhause in Schweden zu finden. Zu dieser Zeit sprach ich kein Wort Schwedisch und erkannte, dass diese mangelnde Sprachkompetenz eine gewaltige Hürde in meinem Integrationsprozess war. Beispielsweise fühlte es sich schon seltsam an, wenn mein Mann meine Post lesen und übersetzen musste. Obwohl er es selbstverständlich gut meinte, empfand ich diese Erfahrung doch als eine Art Machtverlust – ich wurde von einer unabhängigen erwachsenen Frau dadurch in den Zustand eines „abhängigen Kindes“ versetzt.

Mir fiel es schwer, mich an eine Reihe von kulturellen schwedischen Praktiken zu gewöhnen, die ich so aus meinem Heimatland nicht kannte. Als Jüdin, die in New York geboren und aufgewachsen ist, habe ich eine aufgeschlossene Persönlichkeit – ich liebe es, neue Menschen kennenzulernen, neue Freundschaften zu knüpfen, und meine Lebenserfahrungen mit Menschen zu teilen. Meine natürliche Neugier und mein Bedürfnis Kontakt mit anderen Menschen aufzunehmen schien jedoch ernsthaft blockiert zu werden, als ich nach Schweden kam: obwohl ich keine Klischees bedienen und Menschen in stereotypische Schubladen stecken möchte, fand ich, dass die Schweden reservierter und viel zurückhaltender waren als die Amerikaner. Sie hörten mir höflich zu und beantworteten meine Fragen, sie zeigten allerdings nur wenig Interesse daran, mich kennenzulernen.

Dieser offensichtliche Mangel an Interesse an mir als Person und als Fachexpertin erzeugten in mir das Gefühl, unsichtbar, unwichtig und unwürdig zu sein. Nach all den Jahren, die ich jetzt in Schweden gelebt habe, finde ich diese reservierte und unnahbare Haltung und die augenscheinliche mangelnde Neugier, den anderen besser kennenzulernen, gewöhnungsbedürftig. Ich habe jetzt gelernt, dass man diese kulturelle Norm der Zurückhaltung in Schweden als „Integrität“ bezeichnet – ich habe erfahren, was es bedeutet mit dieser Zurückhaltung zu leben, und dass man Integrität in verschiedenen Kulturkreisen unterschiedlich definiert.

Das Blatt begann sich zu wenden, als ich verschiedene Wirkungsstätten für mein fachliches Engagement entdeckte – also sozusagen ein Zuhause für die Ausübung meiner fachlichen Fähigkeiten fand. Ich engagierte mich z. B. beim Zentrum für Osteuropäische und Russische Studien an der Universität Göteborg, und nahm meine Arbeit als Forscherin und Lektorin am Chalmers Industrial Technologies (CIT) Center an der Chalmers University of Technology auf. Hier erhielt ich Wertschätzung für meine Arbeit und meine fachlichen Beiträge.

G.I.B.: Sie sind eine ausgebildete Psychologin: Wie hat Ihre Berufsausbildung Ihnen bei der Bewältigung Ihres eigenen Migrationsprozesses geholfen?

Dr. Sari Scheinberg: Als Kind, das in den USA aufgewachsen ist, ging ich jeden Sommer zum Ferienlager, und lernte, die Natur zu schätzen: es gibt keine bessere Methode, den Kopf freizubekommen und sein emotionales Gleichgewicht wiederherzustellen als ein Spaziergang im Wald. In den ersten Monaten nach meiner Ankunft in Schweden, muss ich wohl einige Meilen in den Wäldern der Region Göteborgs zurückgelegt haben.

Ich habe auch gelernt, wie ich den Ausdruck meiner Gefühle anpassen muss. Man schätzt es einfach nicht in Schweden, seinen Gefühlen von Wut oder Trauer freien Lauf zu lassen. Die bevorzugte Art und Weise mit Problemen umzugehen, ist ruhig und stark zu sein und so weiterzumachen wie vorher. Angesichts der Schwierigkeiten des Lebens erwartet man, dass man diese stoische Haltung einnimmt und darauf beharrt. Die Schattenseite dieser stoischen Haltung ist jedoch, dass man den Glauben aufrechterhalten muss, dass das Leben in Ordnung ist, selbst wenn es in der Reali­tät gar nicht der Fall ist. Ebenso wenig ist es okay, zu viel Begeisterung zu zeigen – man hat mir einmal gesagt, dass ich zu eifrig und zu kreativ bin und deshalb einfach nicht in den Kulturkreis passe.

Ich erkannte auch, dass die „amerikanische“ Art und Weise, Beziehungen mit Menschen aufzubauen, in Schweden nicht funktioniert. Die Schweden schätzen diese Art des Umgangs als oberflächlich und wankelmütig ein. Die Schweden ziehen eine ruhige und zurückhaltende Rolle im Beziehungsaufbau vor, und ich habe festgestellt, dass es etwa zwei Jahre dauert, bis man ein gewisses Maß an Verbundenheit mit einer neuen Person erreicht hat. Verstehen Sie mich nicht falsch, dies ist keineswegs ein Urteil darüber, dass eine Art und Weise des Kennenlernens besser ist als eine andere. Es ist einfach nur ein Spiegelbild der unterschiedlichen kulturellen Normen.

Ich hatte keinen Coach, der mir beim Prozess der Anpassung an für mich ungewohnte kulturelle Werte und Normen in meiner neuen Wahlheimat Schweden geholfen hat. Zuhause war mein Ruhepol, ein sicherer Ort, an dem ich so sein konnte, wie ich bin. In meinem Berufsleben hatte ich drei wichtige Anker, die mir Kraft und Energie gaben: Meine Projekte mit Russland, die sich auf meine Doktorarbeit bezogen und das Themenfeld der kulturellen und psychologischen Einflüsse von Unternehmertum und Innovation erweiterten, meine Arbeit mit der Gestalt-Akademie und meiner forschungsbasierten Entwicklungsarbeit in Menschenrechtsfragen und Migration. Mein berufliches Engagement machte mir Freude und gab mir das Gefühl, dass ich einen wertvollen Beitrag zur schwedischen Gesellschaft leisten kann.

Als Fachexpertin in Gestaltpsychologie und wissenschaftliche Forscherin, habe ich nie aufgehört neugierig zu sein und Fragen zu stellen, selbst wenn diese Fragen den Menschen unbequem waren. Ich habe dabei ganz bestimmt nicht im Sinne des schwedischen „Jante Gesetz“ gehandelt, das Jante Gesetz ist eine kulturelle Norm, die Ausdauer, Ehrgeiz und die Realisierung von „großen Ideen“ als nicht wünschenswert einschätzt. In der schwedischen Gesellschaft scheint es viel mehr akzeptabel zu sein zu behaupten, dass man „nicht gut genug“ ist und dass man wartet, bis man an der Reihe ist, bevor man zu viele Fragen stellt oder beginnt, sich mit einem außergewöhnlichen neuen Projekt zu befassen.

G.I.B.: Welche Beweggründe führten zur Konzeption und Implementierung des Programms „Von der inneren zur äußeren Integration“?

Dr. Sari Scheinberg: 1991 nur wenige Monate, nachdem ich nach Schweden zog, bat man mich bei einem Programm namens „International Competence“ mitzuwirken, das Arbeitslose aus Osteuropa und Russland in Schweden unterstützen sollte. In einem 6-monatigen Vollzeitprogramm sollten Teilnehmer und Teilnehmerinnen begleitet und unterstützt werden, um ihr eigenes Unternehmen zu gründen und aufzubauen. Sie sollten neue Geschäftsentwicklungsmöglichkeiten in ihren vorherigen Heimatländern identifizieren und diese Kenntnisse als Dienstleistung an schwedische Unternehmen verkaufen, die in globale Märkte expandieren wollten. Das Programm hatte fünf erfolgreiche Durchläufe. Allerdings wurde mir schnell klar, dass in diesem Programm mehrere Schlüsselelemente fehlten, wie beispielsweise die Zeit, den Teilnehmenden den Erwerb schwedischer Sprachkenntnisse zu ermöglichen und ein Netzwerk mit den Akteuren in der regionalen und lokalen Wirtschaft aufzubauen.

Aus meiner Sicht war einer der wichtigsten Mängel des Programms die Möglichkeit, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer als „ganze Person“ zu sehen, und sie in den unterschiedlichen Bereichen ihres Lebens zu unterstützen. Man sah sie stattdessen in erster Linie als Arbeitslose, nicht als Menschen. Ich versuchte, meine beiden Partner und die lokalen Behörden zu überzeugen, dass wir mehr Zeit und Raum brauchten, um die persönliche Entwicklung und das unternehmerische Denken der Programmteilnehmer zu fördern. Keiner sah jedoch die Notwendigkeit, Veränderungen einzuführen. Die Antwort, die ich erhielt, war – „Wir führen das Programm, wie wir es immer getan haben.“

Ich erkannte, dass ich ein ganz anderes Verständnis von Integration hatte als die schwedischen Behörden: die Kultur und die Systeme in Schweden sahen Integration als eine politische Strategie an, während ich die Integration als psychologischen Prozess verstand. Integration war aus meiner Sicht einfach ein Thema der vorherrschenden politischen Rhetorik und der nationalen Politik. Ich hatte den Eindruck, dass man in Wirklichkeit nur daran interessiert war, die hohe Zahl der Arbeitslosen unter Flüchtlingen und Einwanderern zu verbergen, indem man diese Kunden aufforderte, an verschiedenen temporären Trainingsprogrammen teilzunehmen.

Meine frühere Forschung machte mir deutlich, dass viele der Migranten arbeiten wollten, um für sich und ihre Familien zu sorgen. Aber sie selbst und ihre Familienmitglieder waren dazu emotional nicht in der Lage, sie hatten traumatische Situationen erlebt, und sie versuchten mit der Unsicherheit eines neuen Lebens in Schweden fertig zu werden und den Kulturschock zu überwinden. Diese Probleme belasteten sie, und machten es schwierig für sie, sich auf die Jobsuche und die Arbeit zu konzentrieren.

Gleichermaßen zeigte meine Forschung und die anderer Wissenschaftler, dass viele Migranten Diskriminierung ausgesetzt waren: Es war beispielsweise allgemein bekannt, dass man nur ein Vorstellungsgespräch bekommen konnte, wenn man seinen Namen bei der Bewerbung änderte, aus Achmed wurde Johansson.

In den späten 1990er Jahren wurde Lean Management als eine neue Management-Praktik eingeführt, die als Allheilmittel alle Geschäftsprobleme lösen sollte. Zum Beispiel kürzte die schwedische Firma Ericsson rund 5.000 Arbeitsplätze, sodass die Mitarbeiter, die die Kürzungen überlebt hatten, gestresst, demoralisiert und überfordert waren. In den Betrieben, in denen Kostensenkungen und Arbeitsplatzkürzungen vorgenommen wurden, gab es eine Menge Spannungen, und die Mitarbeitenden in diesen Betrieben hatten einfach nicht die Kapazität, sich um Zuwanderer und Zuwanderinnen zu kümmern, die einfach mehr erfahren wollten, wie man in dieser Branche in Schweden arbeitet und welche Kenntnisse und Fähigkeiten notwendig sind für den jeweiligen Job.

Es gab nur wenig Interesse, an Informationsinterviews mit Zuwanderern teilzunehmen. Und es sind gerade diese Informationsinterviews, die Migrantinnen und Migranten helfen, ein fundiertes Verständnis für den jeweiligen Arbeitsplatz zu entwickeln, die ihnen Feedback darüber vermitteln, ob dieser Arbeitsplatz zu ihnen passt, und die es ihnen ermöglichen, ein soziales Netzwerk von Geschäftskontakten aufzubauen. Damals schrieb ich einen Artikel mit dem Titel – Lean oder Anorexisch –, in dem ich argumentierte, dass Mitarbeitende, die dem Lean Management zum Opfer gefallen waren, nicht mehr die Fähigkeit, die Zeit und die Ressourcen besaßen, anderen zuzuhören und ihre Arbeitserfahrungen mit anderen zu teilen, da sie einfach so wenig Energie für ihr eigenes Berufsleben hatten.

G.I.B.: Aus Ihrer Sicht, welche Auswirkungen hatten solche kurzfristig orientierten Beschäftigungs- und Integrationsprogramme für Migrantinnen und Migranten?

Dr. Sari Scheinberg: Hat es schon einmal wesentliche Veränderungen in Ihrem Leben gegeben? – Wenn das der Fall sein sollte, wissen sie sicherlich, dass diese Veränderungen Sie herausfordern, sich selbst neu zu definieren.

Sie müssen herausfinden, wie die Dinge in Ihrer neuen Gemeinde funktionieren, Sie müssen eine neue Sprache erlernen, neue Freunde gewinnen, und sehen, wie Sie sich an das soziale Gefüge anpassen müssen und wie Sie einen Beitrag zu Ihrer neuen Gemeinde leis­ten können. Dies kann ein sehr beunruhigender Prozess sein, der die Grundlage Ihres bisherigen Selbstverständnisses infrage stellt. Alles, was Sie in Ihrem bisherigen Leben lieb gewonnen haben, ist vielleicht verschwunden. Die Anker Ihrer vorherigen Lebensstruktur sind weggefallen, und Sie müssen einen Neuanfang machen.

In meiner Arbeit mit arbeitslosen Flüchtlingen und Migranten erkannte ich ein systematisches Verhaltensmus­ter – ein Muster, das ich den „Zerfallprozess“ oder „Disintegration“ genannt habe. Arbeitslose Zuwanderer erhalten die Möglichkeit, an temporären Trainingsprogrammen teilzunehmen, die ihnen den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern sollen, oder sie nehmen Praktika oder Traineeprogramme auf. Nach einem 3- bis 4-monatigen Zeitraum kehren die meis­ten Migranten dann leider wieder in die Arbeitslosigkeit zurück.

Dieser Prozess setzt für sie einen psychologischen Teufelskreis in Gang, der sie in immer tiefere Phasen der Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit gleiten lässt. Meine Klienten und ich beobachteten viele verschiedene dysfunktionale Einstellungen und Verhaltensweisen im Laufe des Prozesses der Disintegration und der anhaltenden Arbeitslosigkeit. So waren folgende Symptome keine Seltenheit bei meinen Klienten: Unruhe und die Unfähigkeit zuzuhören, Schwierigkeiten, Verpflichtungen einzuhalten, die Unfähigkeit, Prioritäten zu setzen, Faulheit, fehlendes Zeitgefühl, fehlende Glaubwürdigkeit, Angst, Aggression, falscher Stolz, das Gefühl der Unsicherheit, Passivität, mangelnde Initiative und unrealistische Erwartungen und Fantasien.

Eine weitere Erfahrung, die wir basierend auf unserer Forschung und dem Programmverlauf machten, war die Tatsache, wie schnell die arbeitslosen Menschen Abhängigkeitsverhalten demonstrierten, sie verhielten sich eher wie Kinder als Erwachsene. Sie begannen ihr Selbstvertrauen zu verlieren, sie verloren ihre Fähigkeiten aus dem Blick, vor allem weil es niemanden in ihrem sozialen Umfeld gab, der sie an vergangene gute Leistungen und Erfolge erinnerte. Es ist von entscheidender Bedeutung in dieser Problemsituation, gute soziale Unterstützung zu haben. Man braucht gute Freunde und vertrauensvolle Familienmitglieder, mit denen man offen über diese Probleme sprechen kann.

G.I.B.: Welche Ziele verfolgte das Programm „Von der inneren zur äußeren Integration“? Was waren die wichtigsten Komponenten des Programms?

Dr. Sari Scheinberg: Bei der Auswahl der Teilnehmer-innen und Teilnehmer für unser Programm arbeiteten wir eng mit den schwedischen Arbeitszentren zusammen, und konzentrierten uns auf die Rekrutierung von 35 bis 40 Wissenschaftlern, die einen Flüchtlings- oder Migrantenstatus hatten und die seit mindestens sechs Monaten arbeitslos waren. Wir erwarteten auch, dass die Programmteilnehmer hoch motiviert waren, positive Veränderungen in ihrem Leben herbeizuführen, und dass sie sich für ein Jahr zur Teilnahme am Programm „Von der inneren zur äußeren Integration“ verpflichten würden. Das Programm wurde insgesamt viermal angeboten und erhielt finanzielle Unterstützung durch den Europäischen Sozialfonds (ESF).

Das übergeordnete Ziel des Programms mit dem vollständigen Titel „Von der inneren zur äußeren Integration: Der Weg in die Arbeit“ war es, Teilnehmerinnen und Teilnehmern, effektive und effiziente Strategien zur Integration in die schwedische Gesellschaft und den schwedischen Arbeitsmarkt zu vermitteln. Nach Abschluss des Programms sollten die Teilnehmer in der Lage sein, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen, ihr eigenes Unternehmen zu gründen oder entsprechende Ausbildungs- und Weiterbildungskurse zu nehmen, um ihre beruflichen Qualifikationen zu verbessern.

Uns war es am wichtigsten, auf individueller Ebene, das psychische Wohlbefinden und die Widerstandsfähigkeit der Teilnehmer als wesentliche Voraussetzung zur Verbesserung des Integrationsprozesses zu stärken. Zum Beispiel wollten wir Teilnehmenden helfen, ihre eigene Motivation, ihr Selbstbewusstsein, ihr Selbstwertgefühl und ihre Selbstausdrucksweise zu verbessern.

Im Mittelpunkt dieses ganzheitlichen psychologischen Ansatzes steht das Konzept des energetischen Wohlbefindens (Energetic Well-Being): Es ist eine Methode, ein Modell, das ich erfolgreich mit vielen unterschiedlichen Gruppen von Klienten in verschiedenen Phasen der Lebensveränderung verwendet habe. Diese Methode basiert auf der Erkenntnis, dass Menschen in der Lage sind, schwierige Lebenssituationen zu meis­tern, wenn sie auf innere und äußere Ressourcen zurückgreifen können, die ihre Resilienz in diesen Situationen stärkt. Menschen werden belastbarer (als Individuum, als Arbeiter, als Eltern, als Bürger), und flexibler, wenn sie wissen welche Faktoren ihre Resilienz und ihr energetisches Wohlbefinden stärken und welche Faktoren ihre Resilienz mindern.

Sobald wir uns unserer Bedürfnisse bewusst sind, und wissen, was wichtig in unserem Leben ist, können wir dies klarer ausdrücken und erhalten dann hoffentlich die Unterstützung, die wir brauchen. Wir treffen dann auch bessere Entscheidungen, die unser Potenzial entwickeln und fördern. Eines der Modellziele des energetischen Wohlbefindens ist es, an die Vielfalt unserer inneren Energiereserven zu erinnern, und den Zugang zu diesen Energiereserven zu erschließen.
 
In diesem Modell habe ich neun Dimensionen des energetischen Wohlbefindens identifiziert, die uns zum einen stärken können, zum anderen je nach Lage auch Energie nehmen können. Diese Dimensionen bieten die Möglichkeit, uns bei der Integration zu hindern oder zu unterstützen. Diese Dimensionen sind wie folgt: Verbundenheit mit der Natur, physische Körper, Intimität & Sexualität, persönliche Identität & Gruppenzugehörigkeit, psychologisches Gleichgewicht und Emotionen, gesellschaftliche Zugehörigkeit & Zugang zu Ressourcen, Weisheit, Intelligenz, Kreati­vität & Achtsamkeit, Seele und Liebe, Spiritualität und Religion.

Die Kapazität einer Person, den Stürmen des Lebens standzuhalten, hängt davon ab, in welchem Maße sich die Person über die Vielfalt und das Ausmaß der Ressourcen in diesen neun Dimensionen bewusst ist. Diese neun Dimensionen sind miteinander verbunden und beeinflussen sich gegenseitig: Ein Mensch kann nicht permanent in einem Zustand des emotionalen Gleichgewichts sein – das Leben ist genau wie das Wetter, es ändert sich ständig, aber der Mensch kann Klarheit darüber erlangen, wie er einen Zustand des emotionalen Gleichgewichts wiederherstellen kann, er weiß, was er tun muss, um sich wieder zufrieden und wohl zu fühlen.

Energetisches Wohlbefinden ist im Grunde genommen, ein ganzheitliches, psychologisches Modell, in dem das Wohlbefinden der Menschen mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen im Vordergrund steht. Energetisches Wohlbefinden ist eine Synthese der Prinzipien der Gestaltpsychologie, den Konzepten der menschlichen Entwicklung und der Motivation, wie z. B. Maslows Hierarchie menschlicher Bedürfnisse und die Strategien zur Förderung der individuellen Belastbarkeit oder Resilienz.

G.I.B.: Sie sind eine Frau jüdischer Abstammung aus New York, die Flüchtlingen und Migranten, die vorwiegend aus arabischen Ländern kamen, unterstützten. Wie werden Sie von Ihren Klienten wahrgenommen – als Frau, als Amerikanerin, als Jüdin oder einfach als Mensch, der Hilfestellung leistet?

Dr. Sari Scheinberg: Die Arbeitslosenzentren informierten Klienten über unser Programm, sie waren nur dazu verpflichtet bei einem Informationsseminar zum Programm mitzumachen, jedoch war letztendlich die Teilnahme am Programm ihre eigene freie Entscheidung.

Ich habe mich immer als jüdisch-amerikanische Frau vorgestellt und habe den Klienten meine eigene Migrationsgeschichte erzählt. Es war natürlich noch provokanter, dass meine Mitarbeiterin im Programm Israeli war. Ich habe Klienten immer gefragt, ob sie ein Problem mit der Zusammensetzung des Programmleitungsteam hätten, und sie gebeten, sich dazu zu äußern. Es ist immer wichtig, diese Dinge offen und ehrlich anzusprechen, vor allem dann, wenn wir im Programm selbst Themen wir Genderunterschiede, kulturelle Vielfalt, Multikulturalismus und schwedische Werte und Normen näher unter die Lupe nehmen.

G.I.B.: Welche Struktur hatte das Programm „Von der inneren zur äußeren Integration“?

Dr. Sari Scheinberg: Das Inside-Out-Programm bestand aus drei Phasen, jede mit ihren eigenen Lernzielen, Trainingsmaßnahmen und erwarteten Ergebnissen. Die erste Phase, die je nach den Bedürfnissen der Teilnehmenden drei bis vier Monate in Anspruch nehmen konnte, sollte den Teilnehmenden helfen, fundierte Selbsterkenntnisse zu entwickeln.

Im Rahmen eines vertieften Gesprächs analysierten wir anhand der Dimensionen des Modells – das ener­getische Wohlbefinden der Teilnehmenden. Wir versuchten herauszufinden, in welchen Lebensbereichen sie sich wohl fühlten, und im Gegensatz dazu, welche Lebensbereiche ihnen ihre Vitalität und Energie raubten. Das Ergebnis wurde dann in Form einer Karte bildlich dargestellt, die den Stand des Wohlbefindens in den einzelnen Lebensbereichen zeigte. Darüber hinaus fertigten wir gemeinsam einen Plan an, der konkrete Aktivitäten und Strategien identifizierte, um Verbesserungen in bestimmten Lebensbereichen zu erzielen und die Menschen auch somit fit für den Arbeitsmarkt zu machen.

In der ersten Phase fanden auch interkulturelle Trainings statt – alle erhielten Informationen über die Rolle der Frau in Schweden und bekamen eine Einführung in wichtige kulturelle Normen der schwedischen Gesellschaft. In der ersten Phase des Programms bauten wir eine ganze Reihe von Übungen ein, die die Teilnehmenden unterstützen sollten, ihr Selbstwertgefühl wieder aufzubauen. Wir beschäftigten uns mit Fragen wie, wie warihr Leben vorher, welche Aspekte ihres vorherigen Lebens möchten sie beibehalten, welche Aspekte ihres vorherigen Lebens müssen sie loslassen. Wir wollten den Menschen klarmachen, dass ihr neues Leben in Schweden nicht nur eine Nachbildung ihres früheren Lebens in ihrem Heimatland sein kann, wir wollten ihnen vermitteln, dass bestimmte Anpassungen notwendig waren, um ein sinnvolles Leben in einer neuen Gesellschaft zu führen. Gleichzeitig nahmen Programmteilnehmende am schwedischen Sprachunterricht teil und verbesserten ihre Computerkenntnisse.

Die zweite Phase konzentrierte sich auf die berufliche Entwicklung der Teilnehmenden und sollte den Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern. Psychologische Unterstützung war noch immer erhältlich, jedoch verlagerte sich der Schwerpunkt des Programms in dieser Phase – Programmteilnehmende sollten in dieser Phase ihre beruflichen Kompetenzen zusammenfassend darstellen und bewerten und ihre Motivation zur Erwerbstätigkeit näher analysieren. Sie wurden gebeten, ihre Lebensläufe zu aktualisieren, alle notwendigen Zertifikate und Diplome zusammenzustellen und sich einen Überblick über ihre beruflichen Ambitionen in ihrer neuen Wahlheimat zu verschaffen. Um ihren Berufstraum zu konkretisieren, sollten die Teilnehmenden drei mögliche Traumjobs identifizieren und im Anschluss daran mindestens 25 Informationsinterviews mit Menschen führen, die den jeweiligen Traumjob bereits ausübten. Die Informationsinterviews würden den Programmteilnehmenden helfen, ein realistisches Bild von ihrem Traumjob zu bekommen. Sie würden Erkenntnisse über die Anforderungen des Arbeitsplatzes gewinnen, speziell im Hinblick auf die berufliche Ausbildung, vorherige Berufserfahrung, die Passgenauigkeit des Jobs mit ihren eigenen Fähigkeiten und die jeweilige Organisationskultur.

In der dritten und letzten Phase wurden die Programmteilnehmenden gebeten, eine Gesamtstrategie für die Integration in den Arbeitsmarkt zu entwerfen, basierend auf größerer Selbsterkenntnis und einem realistischen Blick auf den Arbeitsmarkt. Die Teilnehmenden entschieden sich in dieser Phase, entweder einen Job anzunehmen, weitere Fähigkeiten im Rahmen einer Ausbildung zu erwerben oder ein Unternehmen zu gründen.

G.I.B.: Viele Menschen würden argumentieren, dass ein Arbeitsplatz der beste Weg ist, um Probleme zu lösen.

Dr. Sari Scheinberg: Jobs sind natürlich wichtige Bestandteile unseres Lebens – sie liefern die finanziellen Mittel, die es uns erlauben zu überleben, uns um unsere Familien zu kümmern, an sozialen Aktivitäten teilzunehmen, uns weiterzuentwickeln oder unsere Hobbys zu verfolgen. Jobs geben uns unsere Identität. Aus meiner Sicht ist jedoch ein wichtiges Ziel im Leben, sich um seine Gesundheit zu kümmern, das heißt, mental fit zu bleiben, sozial engagiert zu sein, seinen Intellekt zu fördern und seine Spiritualität zu pflegen, – nur so kann man anderen Menschen Hilfestellung leisten und die Welt positiv beeinflussen. In diesem Sinne ist der Job nur ein Teilaspekt des Lebens, aber keineswegs der Sinn und Zweck des ganzen Lebens.

Die Somalier haben eine interessante kulturelle Norm, die besagt, dass man nur ein guter Mensch sein kann, wenn man jeden Tag 33 Menschen außerhalb seines eigenen Familienkreises hilft. In der jüdischen Tradition streben wir auch an, gute Taten zu tun („mitzvot“) – es gibt 613 von ihnen! Viele Kulturen haben inspirierende Philosophien, die betonen, dass das Leben nicht nur aus Arbeit besteht, es geht vielmehr darum, Teil von etwas Größerem als man selbst zu sein – Teil einer sozialen Gruppe, einer Gemeinschaft, eines Landes. Das Leben besteht daraus, als Bürgerin oder Bürger eine positive Auswirkung auf die Gesellschaft auszuüben.

G.I.B.: Was waren die Ergebnisse des Programms?

Dr. Sari Scheinberg: Auf der individuellen Ebene entwickelten Programmteilnehmende ein geschärftes Bewusstsein dafür, was sie brauchten, um ihr psychologisches Gleichgewicht beizubehalten und ihre Motivation zu stärken, damit sie die Eingliederung in den Arbeitsmarkt erfolgreich meistern konnten. Sie entwickelten auch eine klare Vorstellung darüber, welche beruflichen Ziele sie verfolgen wollten und verließen das Trainingsprogramm mit einer klar umrissenen Strategie für ihr zukünftiges Berufsleben.

Es gelang uns, Menschen in den Arbeitsmarkt zu integrieren: beispielsweise im zweiten Programmzyklus (1999 – 2000), starteten acht Teilnehmende eine neue Arbeit, zwei gründeten ihr eigenes Unternehmen, drei arbeiteten in unbezahlten Traineejobs, die sie auf ihren Traumjob vorbereiten sollten, ein Teilnehmer verfolgte Weiterbildungsmaßnahmen, 7 waren zum Zeitpunkt des Programmabschlusses noch arbeitslos. Nach dem Trainingsprogramm waren 14 Teilnehmende in den Arbeitsmarkt integriert. Ein Jahr später hatten 90 Prozent der Teilnehmenden Arbeit gefunden. Darüber hinaus hatten Programmteilnehmende nun ein professionelles Netzwerk entwickelt, das ihnen in Zukunft helfen würde, berufliche Aufstiegsmöglichkeiten zu erkennen und zu verfolgen.

Parallel zu unserer dritten Phase erhielten wir finanzielle Mittel von den Integrationsbehörden, die es uns ermöglichten den Werdegang unserer Programmteil­nehmenden nachzuverfolgen und mögliche Diskriminierung am Arbeitsmarkt zu erforschen und zu dokumentieren. Wir arbeiteten eng mit Unternehmen zusammen, um ein Bewusstsein für Management-Praktiken zu schaffen, die die Integration von Zuwanderern in den Arbeitsmarkt besser unterstützen konnten. Wir hielten zahlreiche Gespräche mit Unternehmen, analysierten Hindernisse in der Eingliederung von Zuwanderern im Unternehmen und machten Verbesserungsvorschläge, um diese Hindernisse zu überwinden.

Ich treffe mich gelegentlich immer noch mit Programmteilnehmern, da wir eine Alumni-Vereinigung mit dem Namen „Übergänge“ gegründet haben. Programmteil­nehmende treten dieser Vereinigung bei und erhalten je nach Bedarf persönlichen oder professionellen Rat.

G.I.B.: Welche Rolle spielen Freiwillige und die Zivilgesellschaft bei der Integration von Migranten in die Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt?

Dr. Sari Scheinberg: Ethnische Organisationen und Migrantengemeinschaften sind wirklich wichtige Institutionen in dem Prozess der Integration: Migranten schätzen es, sich mit Mitgliedern ihrer ethnischen Gemeinschaft zu treffen. Sie können ihre eigene Sprache sprechen, sie genießen bekannte Gerichte aus ihrer ethnischen Küche, sie schätzen ihre Musik und die sozialen Umgangsformen.

Ethnische Organisationen sind ein wichtiger erster Anker für soziale Integration. Jedoch besteht auch die Gefahr, dass sich ethnische Organisationen und Gemeinschaften in ethnische Ghettos verwandeln, die abgekapselt und in Isolation von ihrem sozialen Umfeld existieren. Wenn es viele arbeitslose Menschen in einer ethnischen Gemeinschaft gibt, kann dies zu wirklichen Problemen führen. Ich habe mit verschiedenen ethnischen Gemeinschaften in Schweden zusammengearbeitet. Traditionell kümmerten sie sich um soziale Aktivitäten für die Familie, Jugendsportveranstaltungen und kulturelle Aufführungen. Ich wollte gerne auch andere Themen auf die Agenda setzen, wie beispielsweise die gegenseitige Unterstützung bei der Jobsuche, Fürsorge für ältere Menschen, die kaum noch Aktivitäten außerhalb der eigenen vier Wände unternehmen und die Realisierung von Work-Life-Balance für Berufstätige. Wir haben eine Reihe von Studienkreisen in diesen unterschiedlichen ethnischen Gemeinschaften etabliert, die sich mit diesen Themen auseinandersetzen sollten.

G.I.B.: Wie reagierten die Jobcenter auf das Programm „Von der inneren zur äußeren Integration“?

Dr. Sari Scheinberg: Als ich das Inside-Out-Programm konzipierte, hatten die Jobcenter nur 15 Minuten Zeit, sich um einen Kunden zu kümmern, seine Kompetenzen festzustellen und geeignete Beschäftigungsmöglichkeiten zu identifizieren. Man kann kaum eine Beziehung in 15 Minuten aufbauen. Die Jobcenter verfolgten, was ich einen produktionsorientierten Ansatz im Client-Management nennen würde. Der Arbeitsberater ist der Experte, der am besten weiß, was für den Kunden gut ist, und der Anerkennung für die Zahl der täglich abgeschlossenen Fälle bekommt. Dieser produktionsorien­tierte Ansatz im öffentlichen Dienstleistungssektor beschränkt sich nicht nur auf Jobcenter in Schweden, man findet ihn auch in anderen sozialen Dienstleistungseinrichtungen wie z. B. beim Arzt.

Das Inside-Out-Programm hatte einen Einfluss auf die Jobcenter und machte ihnen klar, dass ein humanistischer Ansatz bei der Bewältigung der Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt sinnvoll ist. Um diese Vision umzusetzen, brauchen wir allerdings in Schweden mehr Psychologen und Sozialarbeiter, die Hand in Hand mit den Jobcentern und den Arbeitsberatern zusammenarbeiten. Zum Beispiel werde ich jetzt in einem speziellen Trauma-Support-Programm geschult, das EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing) genannt wird. Es ist ein Protokoll, das eine Reihe von Handlungsschritten skizziert, wie man am besten Menschen helfen kann, die traumatisiert wurden. In einer Gruppe mit fünfzig Programmteilnehmenden gab es nur einen anderen Psychologen, der mit Migranten gearbeitet hat. Viele Leute denken immer noch, dass es ein Tabu ist, über psychologische Probleme zu reden. Wir brauchen eine Kultur, die Menschen mit psychologischen Problemen nicht mehr stigmatisiert, eine Kultur, die Akzeptanz für psychologische Beratung schafft.

Am Anfang waren die Jobcenter überaus skeptisch, was die Gesamtdauer des Inside-Out-Programms anging. Sie argumentierten, dass das Programm mit einer Laufzeit von einem Jahr viel zu lange dauern würde. Jedoch erkannten sie, dass es seine Zeit braucht, bis Menschen, die eine schwierige Lebenssituation, wie die der Migration in ein neues Land durchlebt haben, wissen, was sie beruflich in ihrer neuen Heimat machen wollen. Es wurde ihnen auch klar, dass der Versand von 100 Résumés an mögliche Arbeitgeber nicht der richtige Weg ist, um einen Job zu finden. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Entwicklung eines guten beruflichen Netzwerks mit Menschen, die einen auf mögliche Jobs auf dem Arbeitsmarkt hinweisen können.

Zu diesem Zeitpunkt bin ich mir nicht sicher, ob die positiven Effekte des Inside-Out-Programms nachhaltige Wirkung bei den Jobcentern hinterlassen hat, vor allem angesichts der großen Einwanderungswelle nach Schweden aus dem Nahen Osten im Jahr 2015. Ich habe eher den Eindruck, dass die Beraterinnen und Berater in den Jobcentern in Schweden derzeit hohe Fallzahlen zu bewältigen haben, dass hoher öffentlicher Druck besteht, Migranten schnellstmöglich in Arbeit zu bringen, und dass nur eine sehr begrenzte Zeit zur Verfügung steht, in einen organisations­übergreifenden Dialog mit anderen sozialen Dienstleistern einzutreten, die Migranten im Integrationsprozess unterstützen.

G.I.B.: Sie schreiben zurzeit ein Buch über den Inside-Out-Programmansatz. Wann wird das Buch veröffentlicht?

Dr. Sari Scheinberg: Das Buch wird in diesem Herbst veröffentlicht.

Das Interview führten

Jochen Bösel
Tel.: 02041 767253
j.boesel@gib.nrw.de

Manfred Keuler
Tel.: 02041 767152
m.keuler@gib.nrw.de

Dr. Hildegard Logan
Tel.: 02041 767149
h.logan@gib.nrw.de

Kontakt

Dr. Sari Scheinberg
Direktor, Recomate AB
Action Research Center für eine Resilient-Gesellschaft
Thorild Wulffsgatan 14
41319 Göteborg (Schweden)
Tel.: +46-70 6286200
sari@recomate.se
sari@actionresearch.se
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