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(Heft 3/2017)
münsterLAND.digital unterstützt digitale Geschäftsideen von Start-ups

Köpfe, Kapital und Kooperation

Im Rahmen der „Initiative Digitale Wirtschaft NRW“ (DWNRW) sind 2016/2017 regionale Zentren für die digitale Wirtschaft, sogenannte DWNRW-Hubs, entstanden: in Aachen, Bonn, Düsseldorf, Köln, Münster und dem Ruhrgebiet. Hier werden – unter anderem – Start-ups mit ihren digitalen Geschäftsideen mit der bestehenden Wirtschaft vor Ort vernetzt. Der Hub münsterLAND.digital bietet dazu Kooperations- und Experimentierflächen sowie szenetypische Events wie Hackathons und Makeathons.

Die Wirtschaft in NRW steht vor der digitalen Transformation. Damit sie gelingt, braucht es „Köpfe, Kapital und Kooperation von Start-ups, Mittelstand und Industrie.“ Das war der Anlass für die „Initiative Digitale Wirtschaft NRW“ (DWNRW). Nirgendwo sonst in Deutschland, darauf weist das Wirtschaftsministerium NRW hin, gibt es so viele Global Player der Industrie und international erfolgreiche Hidden Champions des Mittelstands wie in Nordrhein-Westfalen. Die Zusammenarbeit zwischen der klassischen Industrie und den innovativen Start-ups könnte für Nordrhein-Westfalen zum zentralen Wettbewerbsvorteil für die digitale Wirtschaft und damit zum digitalen Alleinstellungsmerkmal in Deutschland werden.

Drei Aufgaben hat die „Initiative Digitale Wirtschaft NRW“ (DWNRW). Erstens: Die digitale Wettbewerbsfähigkeit für die klassische Industrie und den Mittelstand in der Zukunft zu thematisieren. Zweitens: Die digitale Innovationskraft über die Förderung von Start-ups für und in NRW zu unterstützen. Drittens: Die digitalen Synergien zwischen den Geschäftsmodellen der klassischen Industrie und den innovativen Start-ups aufzuzeigen.

Eine Schlüsselmaßnahme der Landes-Strategie „Digitale Wirtschaft“ sind die DWNRW-Hubs. Sechs digi-hubs mit unterschiedlichen Angeboten gibt es in NRW: in Aachen, Bonn, Düsseldorf, Köln, Münster und dem Ruhrgebiet.

Der digitalHUB Aachen startete mit digitalisierungsbereiten Usern aus Mittelstand und Industrie aus vielen Branchen. Durch Integration des Inkubators „Start Lab“ der RWTH ist hier auch die Wissenschaft von Anfang an integriert. Mit einer Crowdfunding-Kampagne kam das benötigte Eigenkapital zusammen. Das Hub ist „euregional“ ausgerichtet und fördert die Zusammenarbeit mit belgischen und niederländischen Start-ups.

Der Digital HUB Region Bonn unterstützt gezielt die Gründung von Start-ups aus der Wissenschaft. Bereits in einer frühen Phase werden hier Start-ups mit Unternehmen vernetzt. Das ermöglicht den Unternehmen schnelle und erfolgreiche Innovationsprozesse. In Bonn sind so eine Infrastruktur und ein Kompetenzzentrum für digitale Technologien und Geschäftsmodelle entstanden.

Der Digital Innovation Hub Düsseldorf/Rheinland berät Digitalunternehmen von der niederländischen Grenze bis ins Bergische Land, mit Düsseldorf als Zentrum. Der Fokus liegt auf Innovationsformaten, bei denen mindestens zwei der vier Akteure aus Mittelstand, Industrie, Hochschulen und Start-ups zusammengebracht werden. Dazu gehören zum Beispiel Hackathons, eine Wortschöpfung aus „Hack“ und „Marathon“, wo gemeinsam Soft- und Hardware entwickelt wird oder Accelerator-Programme, die Start-ups innerhalb eines festgelegten Zeitraums durch intensives Coaching unterstützen und so den Entwicklungsprozess stark beschleunigen und vorantreiben.

Der Digital Hub Cologne arbeitet mit einer breiten Unterstützung aus Wirtschaft und Wissenschaft mit den Gesellschaftern Universität Köln, Stadt Köln und IHK Köln. Der Kölner Markt, sagt die Landesregierung, bietet bereits fast alle Leistungen, die zur Digitalisierung von Unternehmen notwendig sind – allerdings auf gewerblicher Basis. Jetzt konzentriert sich der Digital Hub Cologne auf Leistungen, die vom Markt selbst nicht rentabel erbracht werden. Dem breit aufgestellten Team werden weitere Experten aus Schlüsselclustern, wie zum Beispiel InsurTech im Bereich der Versicherungswirtschaft zur Seite gestellt.

Hub münsterLAND.digital
 

Der Hub münsterLAND.digital steht für die gesamte Region. Hier werden Hub-Satelliten etabliert, die die digitale Transformation in das Münsterland mit seinen vielen mittelständischen Unternehmen tragen sollen. Thomas Malessa, Vorstand des münsterLAND digital e. V.: „Dadurch können dezentrale Initiativen zur Gründungsförderung vernetzt und neue digitale Potenziale erschlossen werden.“ Angeschlossen an den Hub ist ein eigenes Fabrikationslabor („FabLab“) zur Produktentwicklung.

Der münsterLAND digital e. V. – zur Erläuterung – ist das Innovationszentrum im Münsterland zur Förderung der digitalen Transformation. Ziel des Vereins ist es, neue Formen der Kooperationen, Firmengründungen, Wettbewerbsvorteile und Wertschöpfung für den Standort Müns­terland zu generieren. Neben dem Digital Hub münsterLAND etabliert der Verein weitere Projekte rund um das Thema Digitalisierung im Münsterland.

Der Hub selbst ist angesiedelt im Hafen der Stadt, der wirtschaftlichen Top-Adresse in Münster mit besonderem Flair. Neben hochwertigen neuen Büroflächen bietet das Hafenviertel ein reichhaltiges Angebot an Restaurants, Bars und Kneipen sowie Freizeitmöglichkeiten wie Kino, Theater und Sportmöglichkeiten. Im sogenannten „Kreativkai“ sind auf der Basis einer alten Bausubstanz moderne Bürogebäude entstanden, die zunächst Künstlerateliers, Werbeagenturen und Verlage beherbergten. Inzwischen hat das kreative Umfeld viele Technologieunternehmen angelockt.

Das Angebot des münsterländer Digital Hubs richtet sich an Gründer, Anwender und „Techies“. Gründerinnen und Gründern bietet er Unterstützung bei Gründungs-, Innovations- und Geschäftsvorhaben im Bereich digitaler Geschäftsmodelle. Darüber hinaus gibt es Innovationsformate wie zum Beispiel Hackathons –, Gründerstipendien und Qualifizierungs­angebote.

Darüber hinaus fördert der Digital Hub digitale Innovationen und ihre erfolgreiche Umsetzung in der regionalen Wirtschaft durch die Zusammenarbeit mit Start-ups und Hochschulen sowie die Schaffung eines Unterstützungsangebots für Corporate Entrepreneurship Initiativen – ein Angebot, das sich an Anwender richtet.

Dritte Zielgruppe sind Technologiespezialisten. Für sie, also für die Vordenker und Experten, ist der Digital Hub Vernetzungsplattform mit dem Ziel, deren Expertise in wirtschaftliche Umsetzungsprojekte einzubringen. Zum fachlichen Austausch wird eine zentrale Experimentier-, Lern- und Lehrumgebung bereitgestellt.

Zu den konkreten Angeboten des Hub zählen Coworking Spaces, Corporate Entrepreneurship, Expertenbeirat und Finanzierung, Konferenz- und Seminarräume, Schulungen und Workshops, Innovationsformate, Sponsoring-Möglichkeiten und Vernetzungsevents sowie Hub Satelliten im Münsterland und ein Fabrikations-Labor (FabLab).

Coworking im Digital Hub
 

Im Workspace des Digital Hub am Hafenweg 16 stehen den Nutzerinnen und Nutzern attraktive und repräsentative Büroflächen mit hohem Standard zur Verfügung. Das Angebot richtet sich beispielsweise an Start-ups, die den nächsten Schritt machen wollen, und Unternehmen, die auf der Suche nach Innovationen sind.

Zielgruppen des Coworking Space sind Gründer und Start-ups genauso wie etablierte Unternehmen oder „digitale Nomaden“. Für Start-ups und junge Unternehmen bietet der Digital Hub repräsentative Büroräume und Coworking Spaces in bes­ter Lage, um potenzielle Kunden zu empfangen und das Geschäftsmodell zu skalieren, also auszuweiten.

Etablierten Unternehmen bietet das Coworking im Digital Hub, so sagt Thomas Malessa, „den Nährboden für Innovationsgeist mit direktem Anschluss an das Hub-Ökosystem. So kommen sie raus aus den eigenen Wänden und können sich inspirieren lassen.“ Freelancern und digitalen Nomaden bietet der Hub flexible Tarife mit variabler Nutzungsdauer ohne langfristigen Mietvertrag. Hub-Typ: „Sie können – neben dem Schreibtisch im Hub – von Vernetzung und Weiterbildung profitieren.“

Attraktive Gründerstipendium
 

Ein besonderes Angebot im münsterLAND-Hub ist der Accelerator (gestartet als Gründerstipendium), der innovative und expansionsfähige digitale Startups fördert. „Dabei legen wir besonderen Wert auf die Förderung der Zusammenarbeit von Start-ups mit Unternehmen aus dem Mitgliederkreis des münsterLAND digital e. V., die im Rahmen des Stipendiums in Form von Patenschaften zusammenarbeiten.“ Das Accelerator-Programm wurde in enger Zusammenarbeit der DWNRW-Hubs im Münsterland und im Ruhrgebiet ins Leben gerufen und leistet damit nach Ansicht von Thomas Malessa einen Beitrag, beide Regionen in NRW zu vernetzen.

„Die meisten Leistungen des Gründerstipendiums lassen sich nicht monetär bewerten“, ist der „münsterLAND digital“-Vorstand überzeugt. Kern des Förderprogramms ist die Vernetzung der geförderten Start-ups oder Einzelunternehmer mit den Unternehmen und Experten im Umfeld der DWNRW-Hubs. Folgende Leistungen gehören dazu: Flexible Nutzung des Coworking im ruhr:HUB in Essen oder des Coworking im Digital Hub münsterLAND in Münster für vier Monate inklusive aller zugehörigen Leistungen. Des Weiteren regelmäßiger Austausch mit dem Hub-Management und den Expertennetzwerken in beiden DWNRW-Hubs. Thomas Malessa: „Gegebenenfalls können wir auch Mentorinnen und Mentoren vermitteln.“

Bei Unternehmenspatenschaften ist zudem ein regelmäßiger Austausch mit dem Partner-Unternehmen notwendig. Um eine weitere Finanzierung an das Accelerator-Programm erhalten zu können, vernetzt der Hub die Stipendiaten nicht nur mit Unternehmen, sondern auch mit Finanzierungsexperten und -netzwerken. Auf einer Start-up-Night können geförderte Start-ups zudem ihre Geschäftsidee pitchen, das heißt: Hier haben sie die Möglichkeit, vor Investoren innerhalb kürzester Zeit ihre Geschäftsideen zu präsentieren und sie davon zu überzeugen.

Fabrikations-Labor (FabLab)
 

Weiteres zentrales Angebot im münster-LAND Hub ist das Fabrikationslabor („Fab­Lab“). Das weltweit erste FabLab wurde 2002 von Neil Gershenfeld am Massachusetts Institute of Technology (MIT) initiiert und begründete die weltweit schnell wachsende „Maker“-Bewegung, die mit eigenen Mitteln ein technisches Problem lösen, ohne den Einsatz kostspieliger Speziallösungen. Ein typisches Beispiel ist der Einsatz von 3D-Druckern, mit denen Ersatzteile für Geräte hergestellt werden.

FabLabs, so auch das in Münster, machen High-Tech-Produktionstechnologien für kleine Arbeitsgruppen oder Einzelpersonen verfügbar. Ziel ist, dass jeder seine Ideen in die Tat umsetzen kann. Dafür stehen High-Tech-Maschinen und das nötige Wissen zur Verfügung. In Münster sind das 3D-Drucker, CNC-Maschine, Laser Cutter und Electronics, Software und Vinyl Cutter – Werkzeuge, die sich beispielsweise für Innovations-Workshops, Produktentwicklung und Schulung eignen.

Thomas Malessa: „Labore sind sonst immer eingeschlossen in Unternehmen und Hochschulen, haben also nur eine begrenzte Nutzerschaft. Bei uns aber haben auch nicht-diplomierte Ingenieure Zugang zu neuesten Technologien und zugleich ein Umfeld, das Prototyping und eine sehr schnelle Entwicklung erlaubt, aus denen sich Existenzgründungen ergeben können. Motto: Create almost anything.“

Auch hier spielt die Kooperation mit etablierten Unternehmen und Hochschulen eine zentrale Rolle. Geplant ist etwa im Herbst ein Makeathon mit der Müns­ter School of Architecture zum Thema „Smart City“. Der IT-Experte: „Wir haben einen sehr offenen Zugang, eine Community, zu der das digitale Labor der FH genauso gehört wie Start-ups, die protoypisch etwas umsetzen wollen, aber auch große Unternehmen, die die Möglichkeiten des Internets der Dinge erkunden, die aber auch daran interessiert sind, Menschen kennenzulernen, die technologisch up to date sind. Sie alle kommen in unserem Hub zusammen.“

Ansprechpartner in der G.I.B.

Andreas Bendig
Tel.: 02041 767-206
a.bendig@gib.nrw.de

Kontakt

münsterLAND.digital e. V.
Hafenweg 16
48155 Münster
Thomas Malessa
Tel.: 0251 53556885
info@muensterland.digital

Autor

Paul Pantel
Tel.: 02324 239466
paul.pantel@arcor.de
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