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(Heft 3/2017)
Entwicklung von Handlungsoptionen in Hagen und im Ennepe-Ruhr-Kreis

Kooperationsworkshops stärken Zusammenarbeit der KAoA-Akteure

Bei der Umsetzung des neuen Übergangssystems in NRW nehmen die Kommunen eine wichtige Rolle ein. Sie bündeln und steuern über die Kommunalen Koordinierungsstellen die Aktivitäten vor Ort. Dabei ist es von zentraler Bedeutung, bei allen beteiligten Akteuren das Verständnis einer Verantwortungsgemeinschaft zur kommunalen Gestaltung eines nachhaltigen und systematischen Übergangs von der Schule in den Beruf zu schaffen.

Auf Grundlage einer Bund-Ländervereinbarung zur Durchführung der Initiative „Abschluss und Anschluss – Bildungsketten bis zum Ausbildungsabschluss“ führt die G.I.B. als Projektnehmer themenbezogene Workshops für die KAoA-Akteure durch, um die Zusammenarbeit der Partner vor Ort zu stärken. Zwei der 24 Gebietskörperschaften, die bislang von den Workshops profitieren, sind die Stadt Hagen und der Ennepe-Ruhr Kreis.

„In unserer Region konnten wir für die Workshops auf gut eingespielte Kooperationsstrukturen zurückgreifen. Das hat sich als großer Vorteil erwiesen“, sagt Michaela Trzecinski von der agentur mark GmbH, die den KAoA-Prozess als Leiterin der Kommunalen Koordinierungsstelle (KoKo) Hagen/Ennepe-Ruhr von Beginn an begleitet. Wichtige strategische Aufgaben übernimmt dabei der Steuerkreis, geleitet von Iris Pott. „Es ist mir sehr wichtig, die Landesinitiative regional im Sinne unserer Jugend und Unternehmen gut umzusetzen und alle Partner im Blick zu behalten“, erklärt die Kreisdirektorin.

Zu Beginn der Umsetzung des Landesvorhabens in der Kommune im Jahr 2013 konzentrierte sich die KoKo auf das Handlungsfeld 1 des Landesvorhabens: die Einführung einer nachhaltigen, geschlechtersensiblen und systematischen Berufs- und Studienorientierung ab Klasse 8. Sie soll die Jugendlichen befähigen, reflektierte Berufs- und Studienwahlentscheidungen zu treffen und realistische Ausbildungsperspektiven zu entwickeln. Seit 2016 ist die Einführung der Standardelemente zur Berufs- und Studienorientierung an den Schulen in Hagen/Ennepe-Ruhr weitgehend abgeschlossen.

Zur Umsetzung der weiteren Handlungsfelder „Erfolgreiche Gestaltung der Übergänge Schule – Ausbildung/Studium – Beruf“ und „Steigerung der Attraktivität des dualen Systems“ hatten sich schon kleinere operative Projekte gebildet. „Bei der Planung der nächsten Schritte kamen wir allein aber nur zögernd weiter, von einer effektiven Steuerung im Übergangsgeschehen konnte keine Rede sein“, erklärt Michaela Trzecinski.

Die Initialzündung für ihr weiteres Vorgehen erhielt die KoKo auf einem Regionaltreffen für die Kommunalen Koordinierungsstellen im Ruhrgebiet. Dabei machte das Landesarbeitsministerium deutlich, dass die nächsten Schritte zur Umsetzung des Landesvorhabens zwingend im Einvernehmen mit den beteiligten Partnern ge­plant werden sollten. Mit dem Steuerkreis beschloss die KoKo, eine gemeinsame Strategie zu entwickeln, ausgehend von den Fragen: Wo wollen wir als Region hin? Wie weit sollen wir steuern? Was benötigen wir dazu? Wo sind unsere regionalen Handlungsoptionen, wo unsere Handlungslimits, beispielsweise in Abgrenzung zum Ausbildungskonsens?

Mitten in diese Überlegungen hinein kam das Angebot der G.I.B., die Zusammenarbeit durch moderierte Workshops zu unterstützen, wie gerufen. „Auf der Grundlage unserer intensiven Vorarbeiten und Diskussionen im Steuerkreis, die wir als KoKo initiiert hatten, waren wir nun dank professioneller Unterstützung zügig in der Lage, die Probleme anzugehen“, erklärt Michaela Trzecinski.

Gestaltung des Übergangs
 

Der Inhalt der Kooperationsworkshops orientiert sich an den wesentlichen Elementen der Berufs- und Studienorientierung sowie an den Aufgabenstellungen der Gestaltung des Übergangs Schule – Beruf. Die KoKo organisiert die Workshops und legt die Themen gemeinsam mit den Partnern fest. In jeder Kommune sind pro Jahr bis zu sechs Workshops mit einer Dauer von jeweils maximal drei Tagen möglich. Zwei Angebote müssen aus den inhaltlichen Schwerpunktthemen Potenzialanalysen, Berufsfeld­erkundungen und Praxiskurse, Beratung und Gestaltung des Übergangs gewählt werden. Ein weiteres Thema können die regionalen Partner frei bestimmen. In Hagen/Ennepe-Ruhr entschied man sich für die Übergangsgestaltung.

Externe Moderation
 

Die einzelnen Kooperationsworkshops werden von qualifizierten Moderatorinnen und Moderatoren geleitet, die von der G.I.B. mittels einer öffentlichen Ausschreibung gewonnen wurden. Der Anbieterpool besteht aus sieben Beratungsunternehmen: ac.consult, Entwicklungsbad, IMAP GmbH, bbb consult, Soencksen & Teilhaber GmbH, Viola Breuer Organisationsberatung und der t-droste GmbH. Nach einer von der G.I.B. organisierten Vorstellungsrunde entschied sich die KoKo Hagen/Ennepe-Ruhr für Anne Storcks von ac.consult.

Die Zusammenarbeit mit der externen Moderatorin wird von den Partnern im Steuerkreis durchweg positiv bewertet. „Ein wichtiges Ziel des Gesamtprozesses besteht darin, dass die Partner ihr gemeinsames Interesse erkennen und ein einheitliches Verständnis entwickeln“, sagt Katja Heck. Sie ist seit Juli 2017 stellvertretende Geschäftsführerin der Arbeitsagentur Solingen-Wuppertal und war zuvor bei der Arbeitsagentur Hagen und im Steuerkreis KAoA tätig.

„Allgemeine Feststellungen wie: Wir arbeiten alle vertrauensvoll zusammen, helfen nicht weiter“, gibt Michaela Trzecinski zu bedenken. Genau an dieser Stelle erwies sich die externe Moderation als besonders nützlich, verfolgen doch alle am Projekt Beteiligten, auch die KoKo, erst einmal ihre eigenen Interessen. Für die Arbeitsagentur beschreibt Katja Heck das so: „Für uns waren die Workshops schon deshalb sinnvoll, weil wir unsere Themen, Ziele und Lösungsoptionen überprüfen und neu finden konnten.“ Die Klärung und Transparenz der institutionellen Interessen waren für Katja Heck eine wichtige Voraussetzung, damit sich die verschiedenen Kulturen und Intentionen dank der neutralen Moderation zunehmend annähern konnten. „Zudem fällt es einer externen Moderatorin leichter als den Beteiligten, auch mal einen Finger in die Wunde zu legen und die Akteure für Probleme zu sensibilisieren“, ergänzt sie.

„Ein solch komplexer Prozess kann nur erfolgreich sein, wenn alle Akteure, vor allem die Entscheider, offen miteinander reden und nicht nur politische Parolen befeuern“, bestätigt Moderatorin Anne Storcks. Das wiederum setzt Vertrauen voraus, das durch eine unparteiische Begleitung gesteigert wird. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Faktor Zeit. Anne Storcks: „Ein vertrauensbildender Prozess kann langwierig sein. Aber es lohnt sich. Denn Vertrauen ermöglicht unbürokratische Lösungen auf dem kurzen Dienstweg.“

Handlungsfelder abstecken und neue Gespräche vereinbaren
 

Der erste Workshop-Termin wurde von der Moderatorin und der KoKo akribisch vorbereitet. „Anne Storcks hat sich zunächst mit unserer Hilfe und der G.I.B. in das Thema und die regionalen Besonderheiten eingearbeitet, dann aber sehr schnell viele Dinge angesprochen, die ihr als Außenstehende auffielen“, lobt Michaela Trzecinski. Im Mittelpunkt sollten die Fragen stehen: Was haben wir bisher geleistet? Welche regionalen Rahmenbedingungen müssen wir berücksichtigen? Worauf können wir aufbauen?

Das ursprüngliche Ziel der Workshops bestand darin, Ergebnisse zu erzielen und vor allem gemeinsam festzulegen, wie sie in die Praxis der beteiligten Institutionen integriert werden, um die themenbezogene Kooperation auf der kommunalen und regionalen Ebene strukturell und praktisch zu verbessern. Am Ende des ersten eintägigen Workshops sollten also möglichst konkrete Handlungsoptionen getroffen werden. „Gemessen daran, müsste der Erfolg eigentlich negativ bewertet werden“, stellt Michaela Trzecinski fest, „doch dieses hoch gesteckte Ziel ist in den wenigen Stunden einfach nicht erreichbar.“ Die Akteure haben es aber geschafft, konkrete Handlungsfelder abzustecken und festzulegen, wer mit wem weiter daran arbeitet. „Die Handlungsoptionen wurden in einem dritten Schritt später im Steuerkreis verabschiedet“, so Michaela Trzecinski weiter.

Die Recherche zur Frage, wer überhaupt die wichtigen Partner im Übergangsgeschehen sind, brachte Überraschendes zu Tage: Einige Mitglieder des regionalen Ausbildungskonsenses wie z. B. Handwerk und DGB waren als zentrale Player bislang nicht adäquat repräsentiert und vor allem die Berufskollegs stellten in einigen Fragestellungen für den Steuerkreis eine Art Blackbox dar. Aus dieser neuen Erkenntnis ergab sich zwangsläufig die Agenda für Folgeworkshops. Der Steuerkreis beschloss, für die nächsten beiden Termine zum einen die acht Leitungen der Berufskollegs und anschließend die Mitglieder des regionalen Ausbildungskonsenses einzuladen.

Berufskolleg, das unbekannte Wesen
 

Ein wesentlicher Grund für die bis dato eher untergeordnete Rolle der Berufskollegs bei der Umsetzung von KAoA am Rande des Blickfelds der KoKo liegt auch darin, dass das Monitoring des Übergangsgeschehens in der Region noch weitgehend in den Kinderschuhen steckt. „Wir wissen zu wenig über die Berufskollegs. Wir wissen zwar, was sie anbieten, aber nicht, wo sie erfolgreich sind und wo nicht“, sagt Michaela Trzecinski. Die Zahlen von IT.NRW dokumentieren die Erfolgsquoten in bestimmten Bildungsgängen nur vordergründig. „Wenn die einjährige Berufsfachschule in Hagen eine Erfolgsquote von 30 Prozent hat, sieht das auf den ersten Blick nach einer Katastrophe aus“, erklärt die KoKo-Leiterin. „Auf den zweiten Blick kann es aber bedeuten, dass relativ viele Jugendliche von der Berufsfachschule in eine duale Ausbildung wechseln. Das wiederum wäre alles andere als ein Misserfolg. Aber diese Zahlen haben wir nicht.“ Das gleiche gilt für trägergestützte Maßnahmen und deren Dokumentation von Erfolgsquoten, die sich oft an bürokratischen Vorgaben orientiert. Die Zahlen sind dann wenig aussagefähig, um die Problemstellen zu identifizieren, den realen Erfolg einer Maßnahme zu bestimmen und zu begründeten Entscheidungen zu gelangen.

Die Blackbox Berufskolleg erscheint umso virulenter, als die Spanne von der Ausbildungsvorbereitung über die duale Ausbildung bis hin zum beruflichen Gymnasium zwar immens breit ist, aber fast alle Jugendlichen vom Berufskolleg erfasst werden. Egal ob es sich um Maßnahmen der Bundesagentur, des Jobcenters oder externer Träger handelt: Nahezu alle diese jungen Leute lernen am Berufskolleg. Ein erster, wenn auch kleiner Hoffnungsschimmer: Auf dem Folgeworkshop kündig­te ein Schulleiter an, für seine Schule den Verbleib der Schülerinnen und Schüler aus den jeweiligen Bildungsgängen zu erheben und damit den Erfolg von Bildungsgängen messbar zu machen.

Schule und Wirtschaft
 

Die Einbindung der Wirtschaft in die Gestaltung des Übergangsgeschehens stand im Mittelpunkt des zweiten Folgeworkshops mit Vertretern der Wirtschaftsverbände. In diesem Workshop, an dem auch der DGB teilnahm, kam es in erster Linie zu einem Austausch von Verbandspositionen. „Die Verbände haben aber für bestimmte Details einen anderen Blick als die KoKo. Die Industrie sieht zum Beispiel oft den Mittelstand, aber weniger den Kleinbetrieb im Fokus“, sagt Michaela Trzecinski.

Für die KoKo stellte sich schnell heraus: Der Austausch mit den Wirtschaftsverbänden ist wichtig, wenn es um das Commitment zu einzelnen Themen beim Übergang von der Schule in den Beruf geht. Um für die Verbesserung des Übergangsgeschehens konkrete Probleme, wie die Besetzung von Ausbildungsstellen in bestimmten Branchen, zu diskutieren und Lösungen zu finden, erwiesen sich bilaterale Gespräche auch mit den regionalen Unternehmen als Erfolg versprechender. Eine Betriebsbefragung auf der Ausbildungsmesse Hagen war hilfreich, um die Schnittstelle zwischen Schulen und Unternehmen mit Leben zu füllen. So bewirkte der Workshop zumindest indirekt eine Lösungsstrategie und ein gutes Ergebnis.

Schule und Betrieb: Unterschiedliche Kulturen
 

Unterschiedliche Kulturen treffen an der Schnittstelle zwischen Schule und Betrieb zusammen: auf der einen Seite die unternehmerische Gestaltungsfreiheit im Rahmen des Marktgeschehens und andererseits die durch administrative Strukturen und komplexe Handlungsabläufe geprägten Schulen. Die Vermittlung zwischen diesen Gegensätzen war ein wichtiges Thema in den Workshops. „Eine solche Diskussion kann sehr befruchtend sein“, wie Steuerkreisvorsitzende Iris Pott erläutert: „Schon das bloße Wissen über die Arbeitsabläufe in anderen Institutionen bringt Partner oft auf gute Ideen für ein gemeinsames Projekt.“ Als Beispiel nennt sie das Zusammenspiel zwischen den Berufskollegs und der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer (SIHK) Hagen: „Berufskollegs und SIHK arbeiten an gemeinsamen Lösungen, um interessierte Jugendliche und Betriebe mit offenen Ausbildungsplätzen zu vereinen.“

Für die KoKo steht die Kooperation zwischen der Wirtschaft und Schule aber auch unter dem Zeichen einer stärkeren Übernahme von Verantwortung durch die Unternehmen. „Die Betriebe sollen in die Berufskollegs gehen, die Jugendlichen auf Ausbildungsplätze hinweisen und zu Praktika einladen“, fordert Michaela Trzecinski und sichert dabei die Unterstützung der KoKo zu: „Wir können zum Beispiel Speed Datings organisieren, damit die Partner zusammenfinden.“

Gerade der Fachkräftemangel sollte zum Umdenken in den Unternehmen führen, die noch zu oft die Verantwortung für den Eintritt in eine Ausbildung bei den Schülern und der Schule sehen. „Ein gewisser Teil der Verantwortung liegt aber im Betrieb. Schule hat auch ihre Grenzen“, sagt Michaela Trzecinski.

Eine andere wichtige Frage: Wie schafft man es, dass ein Jugendlicher, der von einer Berufsfelderkundung begeistert ist, seine Motivation aufrecht erhält? „Der Betrieb muss dafür sorgen, dass der Jugendliche ihn nicht vergisst“, fordert Michaela Trzecinski. Das kann durch Einladungen zur Ausbildungsmesse, in den Betrieb oder zum Praktikum geschehen. „Hier ist das Unternehmen gefordert und wir unterstützen es. Denn ein kleiner Handwerksbetrieb ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um dieses Thema allein zu bewältigen.“ Zum Aufbau einer Bindungskette entwickeln KoKo und Handwerksbetriebe ein Tool, das den einmal aufgebauten Kontakt zum Jugendlichen verfestigt. „Wenn wir so etwas gemeinsam schaffen, bleibt es haften. Reden allein hilft nie“, sagt Michaela Trzecinski.

Dass der Aufbau einer Bindungskette zwischen Schülerinnen und Schülern und Betrieben wichtig ist, bestätigt Thomas Haensel, Geschäftsführer der SIHK Hagen für den Bereich Berufliche Bildung. „Diese Idee haben wir in unserem Fachausschuss entwickelt, der sich mit der Attraktivitätssteigerung der dualen Ausbildung beschäftigt.“ Thomas Haensel, dem KAoA auch in seiner Funktion als Vorsitzender des regionalen Ausbildungskonsenses sehr am Herzen liegt, bringt noch eine andere interessante Zielgruppe in den Blick: die „Studienzweifler“. Für junge Leute, die mit dem Gedanken spielen, ihr Studium abzubrechen, hat der Fachausschuss „Duale Ausbildung“ ein Konzept entwickelt, um ihnen die Vorzüge einer dualen Berufsausbildung schmackhaft zu machen.

Konkrete Handlungsfelder abstecken
 

Neben der Entwicklung von Handlungsoptionen auf Basis der Workshops konnten einige Vorhaben direkt angegangen werden. So wird zum nächsten Schuljahr in Hagen „Schüler online“ eingeführt: ein Internetportal, über das sich Schülerinnen und Schüler aus der neunten und zehnten Klasse um einen Platz an einer anderen Schule bewerben können. Außerdem wird das Buchungsportal für die betriebliche Berufsfelderkundung um eine Praktikumsbörse erweitert, resultierend aus einer gemeinsamen Forderung der Wirtschaft und der Berufskollegs an den Steuerkreis.

„Als kommunale Koordinierungsstelle sind wir der Motor des Projekts, aber bestimmte Probleme müssen unsere Partner lösen“, stellt Michaela Trzecinski fest. Als weiteres Beispiel nennt sie die Forderung der Berufskollegs nach niederschwelligen Anschlussoptionen für Jugendliche, die sich mit Schule insgesamt schwertun. „Darüber werden die Bundesagentur und die Jobcenter diskutieren“, so Michaela Trzecinski.

Ein wichtiges Thema, dem sich die KoKo und der Fachausschuss „Übergangsangebote“ widmen werden, ist die Schnittstelle zwischen der abgebenden Sek.-I-Schule und dem aufnehmenden Berufskolleg. Hier stellt sich die Frage: Wie kann der an der allgemeinbildenden Schule initiierte Beratungsprozess am Berufskolleg nahtlos fortgeführt werden? „Hier werden wir mit einer abgebenden Schule und einem aufnehmenden Berufskolleg in einem Modellversuch neue Wege testen“, sagt Michaela Trzecinski. Um einen nahtlosen Übergang zu erreichen, müssten die Berufskollegs im Aufnahmeverfahren von den Schülerinnen und Schülern das Fazitheft zur Berufs- und Studienorientierung oder die Anschlussvereinbarung einsehen. Ein Beispiel: Wenn ein Schüler sich für eine Ausbildungsvorbereitung an einem technischen Berufskolleg anmeldet, seine Anschlussvereinbarung aber ausweist, dass er eine Ausbildung im Berufsfeld Gesundheit und Soziales plant, sollte das Berufskolleg dies bei Anmeldung thematisieren.

Auf einen wichtigen Schritt in diese Richtung weist die Leiterin der KoKo hin: „Wir haben schon relativ früh darauf hingewirkt, dass die Berufskollegs zur Anmeldung die Anschlussvereinbarung einfordern. Da zu dieser Zeit aber nur wenige Schülerinnen und Schüler eine solche Vereinbarung besaßen, zweifelten die Berufskollegs die Sinnhaftigkeit an und das Verfahren weichte immer mehr auf. Das wird sich durch verbindlichere Absprachen im Fachausschuss „Übergangs­angebote“ ändern.“

Auch Katja Heck plädiert dafür, das Anmeldeverfahren an den Berufskollegs zu modifizieren und nennt weitere Handlungsoptionen: Eine Jugendkonferenz und Ausbildungsmessen könnten wichtige Rückschlüsse auf Wünsche und Entscheidungen der Schülerinnen und Schüler liefern, zum Beispiel auf die Frage: Warum entscheiden sie sich überhaupt für die Berufskollegs? Außerdem schlägt Katja Heck die Einführung eines „Arbeitsleben-Knigge“ in Klasse 9 vor. So sollen die jungen Leute früh erfahren, was Unternehmen von ihnen schon im Praktikum erwarten.

Zwischenziel erreicht
 

Das Zwischenziel de KAoA-Workshops für Hagen und den Ennepe-Ruhr-Kreis ist erreicht: „Die Handlungsoptionen für die Felder „Erfolgreiche Gestaltung der Übergänge Schule – Ausbildung/Studium – Beruf“ und „Steigerung der Attraktivität des dualen Systems“ stehen fest. In etwa zwei Jahren werden wir den Erfolg unserer Arbeit messen können“, sagt Michaela Trzecinski. Dann wird man Antworten auf Fragen finden wie: Haben die Ergebnisse der Kooperationsworkshops die Gesamtstrategie für das Übergangssystem nach vorn gebracht? Was hat sich in der Region verändert? Was hat das große Engagement aller Beteiligten bewirkt? Und wo muss man möglicherweise nachjustieren?

Ob sich im Laufe des Umsetzungsprozesses die Rolle der KoKo verändert hat? „Man nimmt uns vielleicht ernster als vorher und stärker als Experten wahr“, sagt Michaela Trzecinski.

Ansprechpersonen in der G.I.B.

Ulrich Schipp
Tel.: 02041 767-258
u.schipp@gib.nrw.de

Elisabeth Tadzidilinoff
Tel.: 02041 767-244
e.tadzidilinoff@gib.nrw.de

Claudia Thierfelder
Tel.: 02041 767-169
c.thierfelder@gib.nrw.de

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