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(Heft 4/2017)
Interview mit Prof. Dr. Stefan Rappenglück, Hochschule für angewandte Wissenschaften München

„Planspiele ermöglichen gleich mehrfachen Kompetenzgewinn“

Sind Planspiele realitätsferne „Politik im Sandkasten“ oder eine innovative und erfolgreiche Lehr- und Lernmethode? Welchen Nutzen haben Planspiele für ihre Teilnehmer? Prof. Dr. Stefan Rappenglück von der Hochschule für angewandte Wissenschaften München integriert politische Simulationen seit vielen Jahren in den Studienalltag. In unserem Interview beschreibt er die Vorzüge und Grenzen von Planspielen, schildert ihren Verlauf und gibt einen Ausblick auf Planspiele der Zukunft in der veränderten digitalisierten Welt.

G.I.B.: Herr Prof. Dr. Rappenglück, Sie wenden seit vielen Jahren die in Deutschland vergleichsweise noch wenig verbreitete Methode des Planspiels in der politischen Bildung an. Wie haben Sie Ihre Begeisterung für das Planspiel beziehungsweise die Politiksimulation, dem bevorzugten Begriff in der politischen Bildung, entdeckt?

Prof. Dr. Stefan Rappenglück: Vor etwa 20 Jahren erhielt ich den Auftrag für ein Bundeswehr-Seminar, dabei ging es um die Osterweiterung der EU, ein Thema, das damals kaum jemanden interessierte. Um die Gruppe zu motivieren, bin ich auf die Methode des Planspiels gestoßen, die mir bis dahin selbst nicht bekannt war.

Die Soldaten waren zunächst leicht irritiert, als sie sich in ungewohnten Rollen wiederfanden, zum Beispiel als rumänischer Außenminister. Anfangs haben sie sich ein wenig geziert, doch schnell wich die Skepsis der Begeisterung. Das Planspiel ist dann richtig gut gelaufen und der Erfolg des Projekts hat mich so sehr beeindruckt, dass ich das Planspiel weiter entwickelt und an der Hochschule immer wieder eingesetzt habe.

Heute veranstalte ich in jedem Semester mindestens fünf Simulationen zu den verschiedensten Themen. Mit dieser innovativen Lehrmethode hatte ich lange Zeit ein Alleinstellungsmerkmal, doch in den letzten Jahren werden in Deutschland immer öfter Planspiele im Unterricht an Hochschulen, aber auch in Schulen und in der politischen Bildung eingesetzt.

G.I.B.: Planspiele gelten als sehr arbeitsintensive Lehrmethode. Welche Vorzüge haben Planspiele im Vergleich zu anderen Methoden?

Prof. Dr. Stefan Rappenglück: Planspiele sind dynamisch und aktionsorientiert. Die Teilnehmenden müssen ständig agieren, miteinander kommunizieren und Prozesse steuern. Im Rahmen des Planspiels schlüpfen sie beispielsweise in die Rollen von Politikern und erleben hautnah, was es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen: für eine Kommune, als Abgeordnete im Deutschen Bundestag oder im Europäischen Parlament.

Darüber hinaus ermöglichen Planspiele gleich mehrfachen Kompetenzgewinn. Das betrifft die Analyse- und Wissenskompetenz genauso wie die politische Beurteilungs- und Handlungsfähigkeit. Auch die Sozialkompetenz hat eine große Bedeutung. Ich erinnere mich noch gut an ein spannendes Berufsschulprojekt mit anfangs ziemlich desinteressierten Jugendlichen. Eine Schülerin, für die Politik laut eigener Aussage bis dahin überhaupt kein Thema war, moderierte zum Schluss die Schulklasse mit großem Engagement als fiktive Parlamentspräsidentin.

Planspiele sind gerade für junge Leute dank ihrer Kreativität und Handlungsvielfalt aufregend und mit Spaß verbunden. Der Erfolg ist nachhaltig und sogar Monate nach dem Planspiel können sich die Teilnehmenden noch genau an Details erinnern. Das Planspiel ist aber kein „Allheilmittel“. Ich halte nichts davon, verschiedene Methoden gegeneinander auszuspielen.

G.I.B.: Wie funktioniert ein Planspiel?

Prof. Dr. Stefan Rappenglück: Die von mir entwickelten Planspiele basieren auf einem Drei-Phasen-Modell: Zunächst führt der Moderator ins Thema ein, stellt die Methode vor und verteilt die Rollen. In der anschließenden Hauptphase steht die eigentliche Simulation im Mittelpunkt. Ein politischer Prozess wird nachgespielt. Zum Schluss wird das Planspiel ausgewertet. Die Teilnehmenden werden befragt, wie sie sich in der Rolle gefühlt haben, welche Ziele sie sich gesetzt hatten und ob sie mit dem Ergebnis zufrieden sind. Auf der fachwissenschaftlichen Ebene wird bewertet, ob das Ergebnis realitätsnah ist und ob es wünschenswert wäre, es in der politischen Praxis umzusetzen.

G.I.B.: Können Sie diesen Prozess an einem konkreten Beispiel erläutern?

Prof. Dr. Stefan Rappenglück: Nehmen wird das Planspiel „Europäische Migrationspolitik gestalten“, das ich aktuell mit großer Resonanz und durchaus kontroversen Reaktionen umsetze. In der ersten Phase werden die Ausgangslage und der Ablauf des Planspiels dargestellt. Die Europäische Kommission eröffnet eine Debatte mit einem Vorschlag für eine Richtlinie und Verordnung zum Thema Europäische Migrationspolitik. Es sind maßgeblich drei Aktionsgruppen im Spiel beteiligt: die Außenminister der beteiligten Staaten, Abgeordnete des Europäischen Parlaments und die Europäische Kommission.

Dann beginnt die eigentliche Simulation mit den Treffen der Außenminister und der Vertreter des Parlaments, didaktisch reduziert als Ausschuss. Beide Gruppen beschäftigen sich intensiv mit dem Vorschlag der Kommission, der kontrovers diskutiert und modifiziert wird. Wenn die Gremien sich geeinigt haben, kann die Verordnung und Richtlinie verabschiedet werden.

Zum Schluss findet die zweiphasige Reflexion statt. Die Teilnehmenden werden befragt, ob sie mit ihren Rollen, dem Prozessverlauf und dem Ergebnis der Richtlinie zufrieden sind. Auf der nächsten Ebene wird die fiktive Richtlinie mit der europapolitischen Realität verglichen. Das Planspiel trägt dazu bei, jungen Menschen das System der Europäischen Union zu verinnerlichen. Spannend ist auch die weitergehende Frage: Was könnte sinnvollerweise noch getan werden?

Die Auswertung ist sehr aufschlussreich. In fast allen Planspielen haben sich die Teilnehmenden unterschiedlicher Ausgangsniveaus hinsichtlich der Verteilung von Flüchtlingen in der EU konstruktiv geeinigt. Vor allem Studierende aus der sozialen Arbeit haben die Thematik stark aufgebrochen und sehr praxisnahe Detailfragen bearbeitet: Wie viele Sozialarbeiter müssen eingestellt werden? Wie viel Geld wird benötigt? Wie kann die Arbeit mit Flüchtlingen verbessert werden?

G.I.B.: Welche Voraussetzungen müssen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines Planspiels mitbringen? Gibt es kulturelle Unterschiede?

Prof. Dr. Stefan Rappenglück: Es ist hilfreich, wenn sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vorab mit dem Thema beschäftigt haben. Es gibt aber auch Planspiele, die ohne lange Vorbereitungen möglich sind. Kulturelle Unterschiede spielen nur eine untergeordnete Rolle. In Einzelfällen ist es denkbar, dass sich ein Teilnehmer wegen seiner kulturellen Prägung mit einer bestimmten Rolle nicht identifizieren kann.

G.I.B.: Welche Kernkompetenzen zeichnen den Leiter oder die Leiterin eines Planspiels aus?

Prof. Dr. Stefan Rappenglück: Eine versierte Spielleitung oder Moderation ist fachkompetent, beherrscht die Methodik der Simulation und entwickelt das richtige Gefühl für Gruppenprozesse. Das beginnt mit der Verteilung der Rollen und wird im Spielverlauf besonders wichtig. Der Moderator oder die Moderatorin sollte das Spiel laufen lassen, solange ein Eingreifen nicht unbedingt erforderlich wird. Je weniger eingegriffen wird, umso besser entwickelt sich für die Gruppe ein selbstgesteuerter Lernprozess.

Auch bei der abschließenden Evaluation sind besondere Fähigkeiten der Spielleitung gefragt: Neben der fachwissenschaftlichen Auswertung muss sie den Prozess analysieren und die Teilnehmenden des Spiels aus ihren Rollen in die Realität zurückholen. Das ist bei einem besonders emotionalen Thema wie Rechtsextremismus und nach einem intensiven, dynamischen Spielverlauf nicht immer einfach. Ich empfehle, die Leitung eines Planspiels in die Hände zweier Moderatoren zu legen.

G.I.B.: Führt die aus didaktischen Gründen erforderliche Reduktion eines komplexen Sachverhalts nicht zu einer erheblichen Vereinfachung des Planspiels? Wo stößt ein Planspiel an Grenzen?

Prof. Dr. Stefan Rappenglück: Planspiele sind meis­tens recht aufwendig und deshalb schwierig in den Schulunterricht zu integrieren. An der Hochschule haben wir den Vorteil, dass uns genügend Zeit zur Verfügung steht und die Teilnehmenden sich intensiv mit dem Thema, dem Umfeld und ihren Rollen auseinandersetzen können.

Abhängig vom Thema sind aber auch Kurzsimulationen möglich. Die Teilnehmenden des Planspiels „Aufnahme von Flüchtlingen in eine Kommune“ haben zum Beispiel gerade einmal 15 Minuten, um sich in ihre Rollen hineinzuversetzen. Das funktioniert, weil das Thema Migration auf der kommunalen Ebene intensiv diskutiert wird und leicht greifbar ist.

Ein ganz wichtiger Aspekt betrifft das Verhältnis zwischen Planspiel und Realität. Die Organisatoren müssen schon im Vorfeld darauf achten, dass die Simulation nicht so stark didaktisch reduziert wird, dass sie mit der Wirklichkeit nicht mehr viel zu tun hat. Bei der Evaluation sollte man mit den Teilnehmenden diskutieren, ob die von ihnen erzielten Ergebnisse realistisch sind. Es gibt durchaus Kritiker, die Planspiele als realitätsferne „Politik im Sandkasten“ bezeichnen. Diese Ansicht halte ich für verfehlt – auch wenn eine Diskrepanz zwischen Spiel und Realität besteht, auf die man hinweisen muss.

G.I.B.: Was passiert mit den Teilnehmenden im Verlauf eines Planspiels und nach der Beendigung des Spiels? Welche emotionalen Auswirkungen können Planspiele mit sich bringen?

Prof. Dr. Stefan Rappenglück: Das ist vom Thema und jedem Einzelnen selbst abhängig. Beim Planspiel Asyl ist es zum Beispiel nicht nur für junge Leute aufregend, dass sie in die Lage versetzt werden, einen Asylantrag zu stellen und auf das Ergebnis zu warten. Ich habe von vielen Teilnehmenden erfahren, dass sie in diesem Prozess unruhig geworden sind, sich unwohl gefühlt haben und sich zumindest ansatzweise in die Rolle eines Asylsuchenden hineinversetzen konnten.

Mitwirkende haben mir schon oft bestätigt, dass durch Planspiele zum ersten Mal überhaupt ihr Interesse an politischen Prozessen geweckt wurde und dass sie gelernt haben, was es bedeutet, Selbstverantwortung zu übernehmen.

Planspiele eröffnen auch die Möglichkeit zur Mitgestaltung. Demokratie wird mit ihren Gestaltungschancen erlebbar. Die jungen Leute lernen, sich konstruktiv zu streiten, Kompromisse zu finden und durch Kommunikation und Verhandlungen Ergebnisse zu erzielen. Das sind Tugenden, die im täglichen Leben von großem Nutzen sind. Planspiele führen sogar zur späteren aktiven Teilnahme am realen politischen Prozess und in gesellschaftlichen Organisationen.

G.I.B.: Gibt es für Planspiele Regeln und Vorgaben, die einzuhalten sind?

Prof. Dr. Stefan Rappenglück: Es gibt keine allgemein verbindlichen Standards. Meines Erachtens gibt es aber Qualitätsmerkmale und ethische Grenzen. Ich erinnere mich an einen Fall, bei dem die Teilnehmenden sich mit dem sensiblen Thema Rechtsextremismus auseinandersetzen sollten – eine besondere Herausforderung. Hier habe ich erlebt, wie man im Rahmen eines Planspiels an ethische Grenzen stoßen kann. In dem Planspiel ging es um die Errichtung einer Gedenkstätte. Ein Akteur hat seine Rolle als Rechtsextremist so extrem ausgereizt, dass ich die Simulation unterbrechen musste.

Jeder Planspieltrainer wägt für sich selbst ab, wo er diese Grenzen sieht. Für mich liegen sie bei persönlichen Beleidigungen, bei Hetze oder verletzenden Äußerungen, die möglicherweise sogar menschenrechtlich problematisch sind.

G.I.B.: Gibt es Themen, die sich besonders gut für ein Planspiel eignen? Welchen Nutzen haben Planspiele außerhalb der Politik?

Prof. Dr. Stefan Rappenglück: Grundsätzlich sind fast alle Themen für Planspiele geeignet. Die Datenbank der Bundeszentrale für politische Bildung, die von uns mit aufgebaut wurde, listet mehr als 250 Planspiele auf. Besonders geeignet sind Simulationen mit kommunalpolitischen Themen, weil dabei die meisten Teilnehmenden ohne große Vorbereitung mitreden können. Abseits der Politik helfen Planspiele zum Beispiel dabei, Kommunikationsprozesse in Unternehmen zu verbessern. Sie werden auch im Katastrophenschutz und im Gesundheitssektor erfolgreich eingesetzt. Im Klinikum München wurde ein großes Simulationszentrum eingerichtet mit dem Ziel, Organisationsprozesse und Operationsabläufe zu optimieren.

Grundsätzlich gilt: Je heterogener und komplexer die Thematik –, umso größer ist die Herausforderung, das Planspiel umzusetzen.

G.I.B.: Worin besteht der Unterschied zwischen einem Planspiel und einem Rollenspiel?

Prof. Dr. Stefan Rappenglück: Das Planspiel greift wie ein Baukastensystem bestimmte Grundelemente auf. Wie der Name schon sagt, spielen die Teilnehmenden nach einem Plan miteinander. Das bedeutet: Es wird in der Regel in einem organisierten Rahmen nach vorgegebenen Strukturen gespielt. Oft wird das Schachspiel als ältestes und bekanntestes Planspiel genannt, da zwei Akteure in einem Wettstreit unter verschiedenen Szenarien ein Ziel verfolgen.

Das Rollenspiel verfügt dagegen nicht über derart differenzierte Strukturen. Es kann einfacher umgesetzt werden und ist deshalb besonders gut für den Schulunterricht geeignet. Die Teilnehmenden schlüpfen ohne große Vorbereitung spontan in eine bestimmte Rolle, zum Beispiel in die des Streitschlichters.

Da das Planspiel in der politischen Didaktik teilweise als „Spielerei“ abgetan wird, die einen Prozess nicht realitätsgetreu nachbildet, hat sich in letzter Zeit mit der Politiksimulation ein dritter Begriff etabliert. Die Simulation steht mehr als das Spiel für eine wissenschaftliche Prägung. Auch eine gewisse Politikberatung kann mit der Methode eingeholt werden. In Nachbarländern wie der Schweiz und den Niederlanden, aber auch in den USA hat die Simulation traditionell eher den Charakter der politischen Beratung.

G.I.B.: Welche Indikatoren werden eingesetzt, um Planspiele auszuwerten und deren Wirksamkeit zu messen?

Prof. Dr. Stefan Rappenglück: Zur Evaluation wird seit einigen Jahren quantitativ und qualitativ verstärkt geforscht. Ein Grund dafür ist auch die gerade von mir angesprochene Kritik, nach der Planspiele wegen ihres angeblich fehlenden Bezugs zur Realität in bestimmten Kreisen nicht genügend wertgeschätzt werden.

An der Universität Frankfurt läuft derzeit eine langfris­tig angelegte Untersuchung, bei der umfangreiche Fragebögen, Interviews und Videosequenzen ausgewertet werden, um festzustellen, in welchem Maße Planspiele zum Kompetenzerwerb der Teilnehmenden beitragen.
Darüber hinaus haben wir eine mehrstufige Untersuchungsreihe über den Lernerfolg und die Nachhaltigkeit von Planspielen zum Thema Europa an Schulen durchgeführt. Im Vorfeld der Simulationen wurden Schulen angeschrieben und die Jugendlichen zu ihren Europakenntnissen befragt. Bei der Auswertung haben wir zunächst zeitnah evaluiert und mehrere Monate später Nacherhebungen durchgeführt. Dabei hat sich der lang anhaltende Lerneffekt von Planspielen bestätigt.

Wichtige Hinweise zur Evaluation liefert das neue, im Wochenschau Verlag erschienene Handbuch „Planspiele in der politischen Bildung“, das auch die Theorie, Konzeption und Chancen der Planspielmethode beschreibt. Das Buch enthält viele Praxisbeispiele und Hilfestellungen für Spielleiterinnen und Spielleiter.

G.I.B.: Welche Ressourcen stehen den Spielleiterinnen und Spielleitern noch zur Verfügung?

Prof. Dr. Stefan Rappenglück: Die Ressourcen sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Auf die umfangreiche Planspiel-Datenbank der Bundeszentrale habe ich schon hingewiesen. Dank öffentlicher Financiers finden Planspiele zunehmend Zugang in die Schulen. Es gibt eine Trainerausbildung und Fortbildungsmöglichkeiten. Besonders hervorzuheben ist das Zentrum für Managementsimulationen an der dualen Hochschule Baden-Württemberg in Stuttgart, das den Auftrag hat, den Einsatz der Planspielmethode zu optimieren und intensivieren.

Die SAGSAGA (Swiss Austrian German Simulation and Gaming Association) veranstaltet als Gesellschaft für Planspiele in Österreich, der Schweiz und Deutschland vielfältige Netzwerktreffen: Neben den Auswirkungen der Digitalisierung ist der interdisziplinäre Einsatz von Planspielen ein besonders spannendes und zukunftsorientiertes Thema.

G.I.B.: Sie haben mit Blick in die Zukunft das Thema Digitalisierung angesprochen. Welche Schnittstellen bestehen hier mit Planspielen?

Prof. Dr. Stefan Rappenglück: Internetgesteuerte Simulationen gibt es schon seit längerer Zeit. Neuere Tendenzen gehen dahin, dass Planspiele komplett über den Computer laufen. So können vor allem junge Menschen ein Medium nutzen, an dem sie tagtäglich mit Spaß und Engagement arbeiten. Online-Planspiele bieten eine besondere Form der Dynamik. Quasi durch Knopfdruck entstehen neue Spielsituationen. Allerdings fehlt bei dieser Art des Planspiels die direkte Kommunikation.

Fakt ist: Die Nachfrage nach onlinebasierten Simulationen wird weiter steigen. Die boomende Spielbranche hat sich diesen Trend schon zunutze gemacht. Auch unser Planspielfachverband SAGSAGA wird sich intensiv mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf neue Formen des Spielens beschäftigen. Deshalb steht das Netzwerktreffen im Februar 2018 in Tutzing unter dem Thema: „Planspiele der Zukunft – Simulationen in der digitalisierten Welt“.

Ich bin sehr gespannt, wohin diese Entwicklung noch führen wird. Die klassische Form des Planspiels wird aber ihre Daseinsberechtigung behalten. Die direkte Kommunikation zwischen den Teilnehmenden aufgrund ihrer Rollenprofile stärkt Fähigkeiten, die auch in der veränderten digitalisierten Welt unbedingt benötigt werden.

Das Interview führten

Carsten Duif
Tel.: 02041 767178
c.duif@gib.nrw.de

Manfred Keuler
Tel.: 02041 767152
m.keuler@gib.nrw.de

Dr. Hildegard Logan
hildegard.logan@mkffi.nrw.de

Kontakt

Hochschule für angewandte
Wissenschaften München
Prof. Dr. Stefan Rappenglück
Tel.: 089 12654333
stefan.rappenglueck@hm.edu
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