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(Heft 4/2017)
KAoA-Kooperationsworkshops im Kreis Recklinghausen

Intensivierte Zusammenarbeit führt zu konkreten Lösungen

Die Landesregierung NRW unterstützt die kommunalen Akteure bei der Umsetzung des Landesvorhabens „Kein Abschluss ohne Anschluss“ mit dem Angebot themenbezogener und extern moderierter Kooperationsworkshops. Ziel ist es, die Qualität und Wirkung der eingesetzten Standardelemente und Angebote in KAoA auf der kommunalen/regionalen Ebene zu optimieren. Wie das gelingt, zeigen eindrücklich die Ergebnisse der Kooperationsworkshops zum Thema Beratung im Kreis Recklinghausen.

Seit die Beratung verbindliches Standardelement von KAoA ist, können sich Schülerinnen und Schüler über mangelnde Beratungsangebote kaum noch beklagen. Offeriert werden sie von unterschiedlichen Institutionen, darunter die Agentur für Arbeit, die Schulen, die Kammern sowie Fachkräfte wie etwa die „AusbildungsPaten“ oder Berufseinstiegsbegleiter. Doch die diversen Angebote sind oft nicht ausreichend aufeinander abgestimmt und können damit für Jugendliche mitunter verwirrend sein.

„Die Beratungen der Jugendlichen durch die einzelnen Akteure finden meist separat voneinander statt“, beschreibt Janina Zaepernick von der Kommunalen Koordinierungsstelle (KAoA) im Kreis Recklinghausen die gegenwärtige Praxis. „Viele Berater und Beraterinnen wissen nicht viel von den Angeboten der anderen Akteure. Wir wollten deshalb die beratenden Personen der verschiedenen Institutionen zueinander bringen, um einen roten Faden für die Beratung im Kontext von KAoA zu entwickeln.“

In dieser Situation kam das Angebot der extern moderierten Kooperationsworkshops wie gerufen. Rena Schnettler, ebenfalls Mitarbeiterin der Kommunalen Koordinierungsstelle im Kreis Recklinghausen und maßgeblich zuständig für die Abstimmung der Workshop-Themen sowie der organisatorischen Begleitung vor Ort: „Das Workshop-Angebot traf genau unseren Bedarf und war eine echte Chance für uns. Mit unseren KAoA-Partnern haben wir uns bei der inhaltlichen Gestaltung der Workshops zunächst auf die Beratung zur Berufs- und Studienorientierung als Thema fokussiert.“

Richtungsworkshop: Auswahl der Akteure
 

Im Vorfeld des Prozesses entschied das KAoA-Team sich für die Moderatorin des Beratungsunternehmens Entwicklungsbad aus Bochum, Elke Muddemann-Pulla. Gemeinsam wurde das Vorgehen geplant und abgestimmt. In dem ersten halbtägigen Workshop mit einem kleineren Kreis von Akteuren ging es laut Rena Schnettler zunächst darum, „die Richtung festzulegen und gemeinsam zu überlegen, welche Entscheider und Akteure der operativen Ebene an den Tisch zu bringen sind.“ So wurden die Berufseinstiegsbegleitung, die „AusbildungsPaten“ sowie die Jugendberufshilfe zusätzlich zu Agentur für Arbeit, Kammern, Vertretungen aus Schulen und Städten, Unternehmen, Hochschul-Studienberatung und Bildungsträgern hinzugezogen.

Mit dabei waren im Weiteren auch eine Vertreterin von „Arbeiterkind.de“, eine Einrichtung, die Schülerinnen und Schüler aus Familien ohne Hochschulerfahrung ermutigt, als Erste in ihrer Familie zu studieren sowie die „ZukunftsBande Emscher-Lippe“, ein Projekt zur Förderung von Nachwuchskräften und zur Verbesserung von Ausbildungsreife am Schnittpunkt von Schule und Beruf durch Peer-Learning.

Ein besonderes Anliegen der Kommunalen Koordinierungsstelle im Kreis Recklinghausen war die Einbindung der Eltern­ebene, die sich jedoch als recht schwierig darstellte. Rena Schnettler nennt einen der Gründe: Eine „Kreiselternschaft“ als Ansprechpartner gibt es nicht. Gewonnen werden konnte für die Workshops indes eine Vertreterin des Landeselternverbands sowie ein Schulpflegschaftsvorsitzender eines Gymnasiums.

Anders als kreisfreie Städte stehen Kommunale Koordinierungsstellen in Kreisen bei der Kooperation mit anderen relevanten Akteuren vor besonderen Herausforderungen, meint Janina Zaepernick: „Wir sind der einwohnerstärkste Kreis in ganz Deutschland. Es wird uns kaum gelingen, alle relevanten Akteure an einen Tisch zu bringen, dafür sind wir mit zehn starken Städten einfach zu groß. Nur ein Beispiel: Die Schulen sind in städtischer Verantwortung, Berufskollegs in der Mehrzahl in Kreisverantwortung. Das erfordert die Beachtung von Zuständigkeiten sowie eine gute Kommunikation.“

Dennoch ist es den Koordinatorinnen gelungen, im Verlauf der Workshop-Reihe 31 Personen aus 17 Institutionen an einen Tisch zu bringen. Anwesend waren über die bereits Genannten hinaus auch der Regionalkoordinator der Bezirksregierung als Bindeglied zur Schulaufsicht. Der Steuerkreis für KAoA im Kreis Recklinghausen unterstützte von Beginn an das Vorgehen. Janina Zaepernick: „Als wir dort das Qualifizierungsvorhaben und den Sinn der Kooperationsworkshops vorgestellt haben, ist beides sofort auf breite Zustimmung gestoßen. Einhellige Meinung war: Wir haben bei KAoA über Jahre viel über Zahlen gesprochen, jetzt müssen wir uns um Qualität bemühen und die Netzwerkarbeit optimieren.“

Aufgewertetes Instrument: Der Berufswahlpass NRW
 

„Nicht nur reden, auch handeln“, lautete folglich das oberste Gebot der vier in nur drei Monaten durchgeführten, moderierten Workshops. Die Moderatorin Elke Muddemann-Pulla: „Wir wollten nicht nur über Probleme und Herausforderungen reden, sondern am Ende auch konkrete Ergebnisse vorlegen. Wir wollten, dass sich die Akteure über die verschiedenen Beratungsformate verständigen, also über die formellen der Agentur für Arbeit und der Kammern sowie der Jugendberufshilfe und der Lehrkräfte genauso wie über die informellen etwa der Eltern. Es war wichtig, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, welche Akteure am Beratungsprozess beteiligt sind. Zudem hatten wir den Anspruch, die Übergänge, die Schnittstellen zwischen den verschiedenen Beratungsformaten zu optimieren und die einzelnen Formate miteinander im KAoA-Kontext zu vernetzen.“

Schnell war klar: „Eigentlich bräuchte man analog zu einer Patientenkarte so etwas wie eine Beratungslaufkarte“, fasst Rena Schnettler eins der Diskussionsergebnisse zusammen, „in der sauber dokumentiert ist, über welche Themen in der Beratung gesprochen worden ist und welche Anregungen und Vereinbarungen daraus resultierten. Dann könnte die nächs­te beratende Person sofort erkennen, was bereits gemacht worden ist oder was fehlt und daran anschließend gezielt die nächs­ten Schritte in die Wege leiten. So entstünde ein transparenter Beratungsprozess, nachvollziehbar für Schülerinnen und Schüler, aber auch für Eltern“, so Schnettler.

„Eigentlich“, merkt Janina Zaepernick an dieser Stelle an, „haben wir mit dem Portfolio dafür bereits das richtige Instrument: Über den Berufswahlpass NRW könnten alle Beratungsergebnisse von der Klasse 8 bis in die Ausbildung dokumentiert werden. Perfekt geführt wäre das unser ,roter Faden‘. Voraussetzung dafür aber wäre, dass der Berufswahlpass im Unterricht wirklich fest curricular verankert ist und allen Beraterinnen und Beratern zur Verfügung steht. Das ist bislang nicht der Fall. Die Schulen benutzen den Berufswahlpass derzeit noch in sehr unterschiedlicher Form.“

Das weiß auch Karsten Euting, Teilnehmer des Workshops und Leiter der Berufsorientierung im Bildungszentrum des Handels e. V., das im laufenden Schuljahr Potenzialanalysen an 43 Schulen durchführt: „Der Berufswahlpass ist ein in der Praxis noch unterbewertetes Instrument. Wenn es uns in der Zusammenarbeit aller Akteure gelingt, ihn als verpflichtendes Übergabeprotokoll zu gestalten, dann wäre für die reibungslose Durchführung von Potenzialanalysen und für die Verwertung ihrer Ergebnisse im weiteren Beratungsprozess viel gewonnen. Profitieren würden davon alle Beraterinnen und Berater, vor allem aber auch die Schülerinnen und Schüler.“

Ganz ähnlich sieht das Daniel Heidler, Lehrer am Berufskolleg und als Regionalkoordinator bei der Bezirksregierung an der Schnittstelle zwischen Schulaufsicht, KoKo und Schulen mit der Aufgabe betraut, die Belange der Schulen und bildungspolitische Zusammenhänge im Blick zu haben. Sein Kommentar: „Wichtig ist, dass der Berufswahlpass nicht nur bei den Schulen, sondern auch bei anderen Akteuren wie den Kammern oder den Arbeitsagenturen in den Fokus rückt. Wenn wir das schaffen, haben sich die Workshops allein deswegen schon gelohnt.“

Konkrete Produkte: Plakate, Homepage, Broschüre
 

Darin waren sich die Koordinatorinnen und die Workshop-Teilnehmenden rasch einig: Eine entscheidende Rolle spielen die Studien- und Berufswahlkoordinatorinnen und -koordinatoren.

„Vor allem StuBos, die diese Aufgabe neu an den Schulen übernehmen“, davon ist Daniel Heidler überzeugt, „brauchen einen klaren Überblick, was sie im Rahmen der Studien- und Berufsorientierung wann zu tun haben, wie sie die Durchführung der Standardelemente organisieren und welche Institutionen sie dazu ansprechen können.“
 
Außerhalb der Workshops wurden deshalb in kleinen Arbeitsgruppen Plakate entwickelt. Abgebildet sind hier die KAoA-Standardelemente, ausgefächert auf die drei Jahrgangsstufen 8, 9 und 10 sowie Hinweise, welche Netzwerkpartner im Kreis Recklinghausen die speziellen Elemente mit ihrem Angebot unterstützen. Sie sollen, so Daniel Heidler, „als guter visualisierter Überblick in den Berufsorientierungsbüros, also den zentralen schulischen Räumen für Informationen, Gespräche und Koordinierungsaufgaben dienen. Für die Sekundarstufe II sind ebenfalls Plakate angedacht.“

Geplant ist zudem, die Plakate eins zu eins auf eine Homepage zu übertragen, ergänzt um vertiefende Informationen zu den Ansprechpartnern und -partnerinnen und ihren Angeboten im Kreis Recklinghausen. Wie die Internetseite genau aussehen könnte, darüber wurde ebenfalls in den Arbeitsgruppen diskutiert.

„Außerdem soll eine Broschüre zum Thema ,Beratung‘ publiziert werden, in der alle einschlägigen Beratungsangebote im Kreis aufgeführt sind, so dass“, meint Daniel Heidler, „ein StuBo nach kurzem Blick in die Broschüre sofort erkennen kann, an welchen Akteur aus unserem Netzwerk er eine Schülerin, einen Schüler mit ihrem oder seinem Beratungsanliegen ortsnah und zielgenau vermitteln kann.“

Die Summe aus Plakaten, Homepage und Broschüre bezeichnen die beiden Koordinatorinnen des Kreises Recklinghausen als „Beratungskoffer“, im Falle der schulischen Beratung beispielsweise jederzeit ergänzbar etwa um vorbereitete Unterrichtseinheiten zur einfacheren Vor- und Nachbereitung von Standardelementen. Janina Zaepernick: „Da ist von einzelnen Schulen schon sehr viel Gutes entwickelt worden, was anderen Schulen zur Verfügung gestellt werden könnte. So kann Wissenstransfer zum Vorteil aller gestaltet werden.“

Der nächste Kooperationsworkshop wird zum Thema „Beratungskultur“ arbeiten. Ziel ist es, ein gemeinsames Verständnis von Beratung unter den schulischen und außerschulischen Beteiligten zu entwickeln. In den kommenden Workshops soll hingegen nicht nur das Thema Beratungsprodukte weiter behandelt werden, sondern es soll auch eine neue Workshop-Reihe zum Thema „Übergänge gestalten“ begonnen werden.

Hin zur lebendigen Verantwortungsgemeinschaft
 

Das Feedback der Teilnehmenden auf die Workshops war durchweg positiv. StuBo und Regionalkoordinator Daniel Heidler: „Die Workshops haben uns allen noch einmal klar die Bedeutung und die jeweiligen Kompetenzen der vielen beteiligten Akteure vor Augen geführt.“

Karsten Euting vom Bildungszentrum des Handels e. V. stimmt zu: „Die Workshops haben zur Optimierung und Intensivierung der Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den Akteuren beigetragen. So viel ist sicher: Je mehr wir miteinander kooperieren, umso erfolgreicher können wir das Ganze umsetzen.“

„Mehr Verständnis für das Arbeiten der anderen Netzwerkpartner“ hat nach der Teilnahme an den Workshops auch Stephan Jansen, Leiter des Teams U25 von der Berufsberatung der Agentur für Arbeit. Den konkreten Nutzen der Workshops für die eigene Arbeit illustriert er so: „Wir konnten hier detailliert vorstellen, wann, wo und wie unsere Beratungs­angebote zum Einsatz kommen: Unsere Berufsberatung, die Berufseinstiegsbegleitung, unsere Schulsprechstunden und die Einzelberatungen direkt in der Agentur für Arbeit.“ Sein Resümee: „Indem wir schon im Vorfeld die Arbeit der StuBos unterstützen, unterstützen sie ihrerseits unsere Arbeit mit. So steigt die Qualität unseres Gesamtangebots. Dazu passt, dass die Workshops uns ein klares Gesamtbild der Beratungslandschaft vermitteln konnten.“

Nützlich waren die Workshops auch für die Kommunale Koordinierungsstelle selbst. Rena Schnettler: „Die intensive Zusammenarbeit mit den Akteuren bei der Diskussion über die konkreten Produkte hat dazu geführt, dass sich die Akteure mehr als Verantwortungsgemeinschaft begreifen und man jetzt auch auf dem kurzen Dienstweg eine Frage beantwortet bekommen kann und beim Telefonieren ein Gesicht vor Augen und eine Vorstellung davon hat, wie die anderen Akteure denken. Das KAoA-Netzwerk ist lebendiger geworden, und das kommt auch unserer Arbeit in der Kommunalen Koordinierungsstelle für die Schülerinnen und Schüler wie auch den Schulen zugute.“ Und Janina Zaepernick ergänzt: „Wenn die Akteure sich auch untereinander stärker vernetzen und weniger von uns koordiniert werden müssen, ist das vor dem Hintergrund der Förderbedingungen ebenfalls positiv zu bewerten.“

Ansprechpersonen in der G.I.B.

Ulrich Schipp
Tel.: 02041 767258
u.schipp@gib.nrw.de

Elisabeth Tadzidilinoff
Tel.: 02041 767244
e.tadzidilinoff@gib.nrw.de

Claudia Thierfelder
Tel.: 02041 767169
c.thierfelder@gib.nrw.de

Kontakte

Kommunale Koordinierung 
„Kein Abschluss ohne Anschluss.
Übergang Schule – Beruf in NRW”
Rena Schnettler
Tel.: 02361 534139
Janina Zaepernick
Tel.: 02361 533061
bildungsbuero-kaoa@kreis-re.de

Entwicklungsbad (fokus-mensch)
Coach, Supervisorin, Prozessberaterin
Elke Muddemann-Pulla
Tel.: 02102 131761
emp@fokus-mensch-coaching.de

Agentur für Arbeit
Leiter Team U25/Berufsberatung
Stephan Jansen
Tel.: 02361 401032
stephan.jansen@arbeitsagentur.de

Bezirksregierung Münster/Kreis Recklinghausen
Regionalkoordinator (Lehrer/StuBO BK)
Daniel Heidler
Tel.: 0176 61734169
Daniel.Heidler@kreis-re.de

Bildungszentrum des Handels e. V.
Leiter Berufsorientierung
Karsten Euting
Tel.: 02361 9430225
k.euting@bzdh.de

Autor

Paul Pantel
Tel.: 02324 239466
paul.pantel@arcor.de
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